Interview : Pierre Littbarski: „Wir sind keine Kirmestruppe“

Weltmeister Pierre Littbarski spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über seine Arbeit als Trainer des FC Vaduz in Liechtenstein.

289282_0_e8e60d7b.jpg
Pierre Littbarski.Foto: dpa

Herr Littbarski, als Absteiger aus der ersten Schweizer Liga dürfen Sie dennoch mit dem FC Vaduz um den Einzug in die Europa League spielen, da Sie liechtensteinischer Pokalsieger geworden sind. Ist Ihre Teilnahme nicht eine Farce?



Das sehe ich nicht so. Wir können nichts dafür, dass das Land so klein ist und es nur sieben Vereine hier gibt. Aber wir nehmen die Teilnahme gerne mit, für uns ist das ein richtiges Highlight.

Seit dem 4. November 2008 sind Sie Trainer in Vaduz. Sie übernahmen das Team auf einem Nichtabstiegsplatz. Am Ende waren Sie Tabellenletzter mit 15 Punkten Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Sind Sie sportlich gescheitert?

Natürlich muss man das Endergebnis erstmal zur Kenntnis nehmen: Wir sind abgestiegen. Zu 50 Prozent ziehe ich mir den Schuh auch an, 50 Prozent der Schuld liegt aber bei meinem Vorgänger. Wir haben es leider nicht geschafft, die Mannschaft aus der Lethargie zu wecken und ihr die Angst zu nehmen.

Nicht nur die sportlichen Erfolge fehlten, auch bei der Akzeptanz des FC Vaduz in der Liga haperte es. Die Vereine aus der Schweiz hätten Vaduz als Fremdkörper am liebsten ganz aus der Liga geworfen.

Im letzten Jahr war es schon oft sehr, sehr ärgerlich. Angefangen vom Einstieg bis hin zu den Widerständen der Schweizer Vereine gegen unseren Verbleib in der Liga. Schwieriger für mich war die Situation aber für die Spieler. Einige haben die Problematik auch als Ausrede genommen.

Wie schwierig ist es, gute Fußballer ins Fürstentum Liechtenstein zu locken?

Es ist nicht so schwierig, wenn man klare Vorstellungen hat. Wir haben eine gute Infrastruktur und können in Ruhe arbeiten.

Was erwidern Sie Kritikern, die das Arbeitsumfeld in Liechtenstein als wenig professionell und beschaulich bezeichnen?

Beschaulich ja, unprofessionell nein. Die Mannschaft arbeitet hier teilweise bis zu acht Stunden am Tag. Da kann man wohl nicht von Unprofessionalität reden. Wir sind ja keine Kirmestruppe.

Die Fragen stellte Thorsten Grunow.

Pierre Littbarski, 49, trainiert seit November 2008 den FC Vaduz. Zuvor betreute der Weltmeister von 1990 unter anderem den Zweitligisten MSV Duisburg, Sydney FC und Yokohama FC.

0 Kommentare

Neuester Kommentar