Interview : Rafael Nadal: „Irgendwann passiert es auch in Paris“

Der Weltranglistenerste Rafael Nadal über eine mögliche erste Niederlage bei den French Open, den Konkurrenzkampf mit Roger Federer – und seine Lieblingsdusche.

Interview: Petra Philippsen
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Auf dem Weg zum fünften Titel in Folge. Rafael Nadal startete am Montag mit einem Sieg in die French Open.Foto: dpa

Herr Nadal, Sie haben in der vergangenen Woche das Finale in Madrid überraschend gegen Roger Federer verloren. Kratzt das an Ihrem Ruf als Sandplatzkönig?

Ich werde sicher keine Ausreden suchen, und es spielt keine Rolle, ob ich vielleicht müde war oder nicht. Roger war an dem Tag einfach besser als ich. Aber Madrid hat nichts mit den French Open zu tun. Ich bin trotzdem mit viel Selbstvertrauen nach Paris gekommen.

Alle erwarten, dass Sie auf Sand immer gewinnen. Wie ist das für Sie?

Manchmal ist es hart, denn die Leute erwarten schon vor dem Turnier, dass ich ins Finale komme und gewinne. Aber ich denke das nicht. Es ist nicht leicht, wenn ich einen Titel gewinne und für die Leute ist das dann ganz normal. Für mich ist alles, was ich erreiche, unglaublich. Davon habe ich geträumt. Aber für die Leute ist ein fünfter Titel von mir wohl normaler als der erste.

Haben Sie Angst davor, zum ersten Mal ein Match in Paris zu verlieren?

Wenn ich verliere – und ich werde sicher mal verlieren – dann muss ich das akzeptieren. Ich habe schon zwei enge Finals in Wimbledon verloren, dazu noch viele Matches bei anderen Grand Slams. Irgendwann passiert das auch mal in Paris, aber ich habe sicher keine Albträume deswegen. Ich bin einfach sehr stolz auf die vier Titel, die ich hier bereits gewonnen habe.

Welcher war denn für Sie der schönste?

Auf jeden Fall die ersten beiden. Ich hatte Ende 2004 diese schwere Verletzung, den Fußbruch. Das war eine sehr harte Zeit und ich wusste nicht, ob ich jemals einen großen Titel gewinnen könnte. Aber dann kam Paris. Ein Jahr später hatte ich wieder eine Fußverletzung, aber ich schaffte es erneut.

Können Sie sich noch erinnern, als Sie zum ersten Mal in Roland Garros waren?

Natürlich, das war 2004. Ich kam auf Krücken und ich ging mit meinem Onkel Toni zum Center Court. Es war etwas mühsam für mich, aber wir stiegen ganz nach oben, wo man den besten Blick hat. Das war ein besonderer Augenblick. Ich dachte: Nächstes Jahr werde ich hier spielen und gewinnen. Es ist wahr geworden.

Haben Sie einen Lieblingsplatz auf der Anlage?

Ich liebe die Duschen. Ich nehme immer die letzte Dusche ganz hinten auf der rechten Seite. Das ist die größte und das Wasser kommt von allen Seiten, ich liebe das. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich gewinne, wenn ich dort dusche. Ich hoffe, das ändert sich nicht so schnell.

Das klingt, als wären Sie abergläubisch. Björn Borg fuhr in Paris jeden Tag den gleichen Weg zur Anlage. Sie auch?

Nein, das entscheidet immer der Fahrer. Ich bin eigentlich gar nicht abergläubisch.

Gibt es trotzdem etwas, was Sie immer tun, wenn Sie in Paris sind?

An meinem freien Tag laufe ich gern die Champs-Elysees entlang. Aber nicht zum Einkaufen, ich habe ja genügend Sachen. Ich spaziere dort oft am Vormittag, schaue mir vielleicht noch einen Film an. Solange noch meine befreundeten Spieler da sind, spiele ich gerne mit ihnen mit der Playstation. Aber alleine macht mir das keinen Spaß. Ich habe am liebsten immer Menschen um mich.

Der Hype um Sie ist enorm. Hat sich das noch verstärkt, seit Sie die Nummer eins der Welt sind?

Ich denke, ich bin immer noch derselbe wie zu der Zeit, als ich die Nummer zwei war. Ich bin jetzt auch nicht berühmter. Natürlich hat man die Aufmerksamkeit, wenn man oben steht und es schauen einem mehr Leute zu als vielen anderen Spielern. Ich habe aber das Gefühl, dass sich mit meinem Wimbledon-Sieg etwas verändert hat. Die Leute nehmen mich seither etwas anders wahr. Ich bin nicht mehr nur der Sandplatzkönig.

Denken Sie nach Ihrem Sieg im Januar bei den Australian Open in Melbourne daran, dass Sie in diesem Jahr alle vier Grand Slams gewinnen könnten?

Nein, überhaupt nicht. Der Grand Slam wäre natürlich etwas ganz Besonderes, aber er ist auch unheimlich schwer zu schaffen. Vielleicht denke ich darüber nach, wenn ich in New York im Finale stehe und immer noch die Chance dazu habe. Generell wäre es schön, die US Open zu gewinnen – die fehlen mir nämlich noch in meiner Sammlung.

Ihre Konkurrenten Roger Federer und Novak Djokovic wollen das gern verhindern. Um Ihnen den Titel in Paris streitig zu machen, haben beide ihr Fitnessprogramm verschärft. Mussten Sie darauf reagieren?

Sicher nicht. Wenn man gewinnt oder verliert, hat das immer nur mit einem selbst zu tun und nicht mit dem Trainer oder dem Fitnesscoach. Ich habe ein tolles Team um mich herum, schon seit Jahren, und ich brauche da nichts zu ändern. Und ich denke auch nicht, dass Roger oder Novak etwas wegen mir ändern. Sie tun es für sich, jeder tut das. Als Roger vor zwei Jahren die Nummer eins war, habe ich auch nicht mehr trainiert, weil er da oben stand. Ich habe es für mich getan.

Das Gespräch führte Petra Philippsen.

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