Interview : Schiedsrichter Fröhlich: „Eine Frage der Veranlagung“

DFB-Schiedsrichterleiter Lutz Michael Fröhlich über die Wettskandal-Task-Force und Betrug im Spiel.

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Lutz Michael Fröhlich, 52, leitete 200 Erstligaspiele. Seit 2008 steht er der Abteilung Schiedsrichter beim DFB vor.Foto: picture alliance

Herr Fröhlich, Sie sind Teil der Task Force, die der DFB anlässlich des Wettskandals eingesetzt hat. Was sind Ihre Aufgaben?


Die Task Force soll den Prozess der Aufklärung für den DFB begleiten, entsprechende Unterlagen dafür zusammenstellen und Handlungsempfehlungen entwickeln.

Arbeiten Sie dabei mit der Staatsanwaltschaft Bochum zusammen?

Das wird sich erst in der Arbeit der Task Force ergeben. Bisher liegen uns noch keine konkreten Anhaltspunkte von der Staatsanwaltschaft vor. Daher sollte man sehr vorsichtig sein, bevor man Anschuldigungen erhebt.

Was ist Ihre persönliche Funktion in der Task Force?

Ich bin als Leiter der Schiedsrichterabteilung des DFB Mitglied in dieser Task Force. Wir müssen auch prüfen, ob und wie ein Schiedsrichter in diese Angelegenheit involviert ist.

Nach Medienberichten soll ein Schiedsrichter in der Regionalliga Süd im Mai 2009 Schmiergeld angenommen haben.

Im Moment ist nur von einem die Rede und da muss man erst einmal schauen, was dabei herauskommt.

Es wäre der zweite Schiedsrichterskandal nach Robert Hoyzer 2005. Welche Lehren hat der DFB damals im Schiedsrichterbereich daraus gezogen?

Die Schiedsrichter werden enger betreut und ihre Leistungen systematisch erfasst, auch schon im Juniorenbereich.

Überprüft der DFB dabei auch das Umfeld der Schiedsrichter?

Zum einen machen wir uns bei den Lehrgängen und Kurzschulungen jedes Jahr ein Bild davon, wie sich die Schiedsrichter außerhalb des Spielfeldes geben, wie sie auftreten. Zum anderen gibt es in den Beobachtungsbögen, die bei Spielen über die Schiedsrichter erstellt werden, den Bewertungsaspekt „Persönlichkeit“, dem wir große Bedeutung beimessen. Der Umgang mit den Spielern und wie sich der Schiedsrichter in seiner Rolle präsentiert, das sind wichtige Hinweise. Außerdem müssen in den Lizenzligen alle Schiedsrichter vor Saisonbeginn in Fragebögen Auskunft über die Person und die wirtschaftlichen Verhältnisse geben. In den oberen drei Ligen muss eine Schufa-Auskunft, ab Regionalliga ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden.

Wie viel verdienen DFB-Schiedsrichter?

Das reicht von 3800 Euro pro Spiel in der Bundesliga über 2000 in der Zweiten Liga bis 300 Euro in den Regionalligen.

Würde die Manipulationsgefahr zurückgehen, wenn man die Sätze erhöht?

Da bin ich skeptisch, weil das auch eine Frage der Veranlagung ist. Wer es darauf abgesehen hat, nur Geld zu kassieren, den wird man auch mit höheren Honoraren nicht in den Griff bekommen.

Wie funktioniert die Ansetzung der Schiedsrichter?

Seit dem Hoyzer-Skandal bekommt ein Schiedsrichter in den obersten vier Ligen erst zwei Tage vor einem Spiel eine E-Mail, dass er eingeteilt ist. Darunter kommt es auf die Landesverbände an: Es gibt Landesverbände, die machen eine Vorausplanung für eine halbe Saison, und es gibt Landesverbände, die haben eine ähnlich kurzfristige Taktung. Aber weniger als zwei Tage Vorlauf ist organisatorisch nicht machbar.

Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Maßnahmen, die man einführen könnte, um künftig Manipulationen zu verhindern?

Das müssen wir in Ruhe auswerten. Ich bin da aber eher skeptisch. Wenn Sie in Ihrer Wohnung alle möglichen Schlösser vor die Tür hängen, schreckt das sicherlich im ersten Moment ab, aber wenn es jemand wirklich darauf anlegt, bei Ihnen einzubrechen, dann schafft der das auch. Sie können keine Schiedsrichter einsperren, zur Spielleitung herauslassen und dann wieder einsperren. Das sind alles freie Menschen. Wir müssen zwar gegen schwarze Schafe vorgehen, aber auch an diejenigen denken, die jedes Wochenende redlich ihre Leistung bringen.

Das Gespräch führte Dominik Bardow

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