Interview : Schlangen: „Es war gar nicht knapp“

Carsten Schlangen ist bei den Europameisterschaften vor drei Wochen auf Platz zwei gelandet. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht er über Erfolg im Sport und seine Erwartungen vom Istaf.

Carsten Schlangen, 29, gewann in Barcelona EM-Silber.
Carsten Schlangen, 29, gewann in Barcelona EM-Silber.Foto: dpa

Herr Schlangen, bei den Europameisterschaften vor drei Wochen sind Sie über 1500 Meter überraschend auf Platz zwei gelaufen. Sind Sie denn schon emotional bei diesem Erfolg angekommen?

Ich hatte erwartet, dass ich es noch mehr aufsauge. Aber das ist nicht so passiert, weil schon wieder die nächsten Dinge anstehen. Einerseits schade, andererseits okay. Dann hängt man ein solches Ergebnis auch nicht zu hoch.

Das klingt nach einer nordisch nüchternen Reaktion des Emsländers Carsten Schlangen.

Ich habe schon gefeiert und mich riesig gefreut. Es war eine Bestätigung meines Trainingsfleißes und auch ein bisschen meines Talents. Aber man fährt weiter S-Bahn, und die Leute um einen herum wissen nicht, was ich erlebt habe. Es passt sich jetzt nicht alles auf einen an.

Es gibt im Sport den Satz: Diesen Erfolg kann einem keiner mehr nehmen. Haben Sie sich den auch schon gesagt?

Es gibt Momente im Rennen, die sind unauslöschlich abgespeichert. Ich weiß für mich ja auch, wie das Rennen wirklich abgelaufen ist – anders, als es im Fernsehen ausgesehen hat.

Was war denn anders?

Im Fernsehen sieht es knapp aus, aber ich wusste sofort, dass ich Zweiter war. Das konnte man vielleicht nur sehen, wenn man selbst im Rennen war.

Was sind sonst die stärksten Erinnerungen aus dem Rennen?

Der Spanier Casado war weg, den konnte ich nicht mehr einholen, aber 100 Meter vor dem Ziel waren auch außer ihm noch viele vor mir. Da lag ich auf Platz sechs. Ich habe einfach weiter Druck gemacht. 30 Meter vor dem Ziel habe ich dann den richtigen Moment erwischt. Auf so etwas bereitet man sich immer vor. Aber ich habe gestaunt, dass ich da vorbeigezogen bin, so sehr, dass ich mich konzentrieren musste, um den zweiten Platz zu halten. Gewundert hat mich, dass ich nach dem Rennen gar nicht zur Dopingkontrolle musste. Es wurde leider nicht viel kontrolliert bei der EM.

Was erwarten Sie vom Istaf?

Es wird sicher ein netter und interessanter Lauf mit einem sehr guten Feld. Die Stimmung wird bestimmt sehr gut sein, denn es kommt viel gutes und fachkundiges Leichtathletik-Publikum.

Das Interview führte Friedhard Teuffel.

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