Interview : Stefan Bradl: "Wir zoffen uns schon ab und zu"

Stefan Bradl kann Motorrad-Vize-Weltmeister werden – wie einst Vater Helmut, der mit ihm durch die Welt reist.

Bradl
Vater und Sohn. Stefan Bradl, 18, geht als WM-Zweiter ins vorletzte Rennen. Rechts Helmut Bradl. -Foto: p-a/dpa

Herr Bradl, vor dem vorletzten Saisonrennen in Malaysia am Sonntag sind Sie Zweiter in der Motorrad-WM. Ihr Vater Helmut war 1991 Vize-Weltmeister – haben Sie schon mit ihm gewettet, ob Sie ihn in dieser Saison einholen?

Nein, eine Wette haben wir nicht abgeschlossen, aber wir werden dann schon ein bisschen feiern, wenn es klappt.

Viele Söhne berühmter Väter versuchen, sich von ihnen abzugrenzen. Sie auch?

Nein. Ich habe meinen Papa eigentlich bei jedem Rennen dabei, und das ist mir auch ganz recht. Er will ja nur das Beste für mich. Er kennt das Geschäft fast schon zu gut und kann mich vor schlechten Dingen schützen und warnen. Oder sich um Sachen kümmern, für die ich am Rennwochenende keine Zeit habe. Das ist schon sehr wichtig, dass man jemanden hat, auf den man sich hundertprozentig verlassen kann – wie einen Manager.

Wohnen Sie gemeinsam im Wohnwagen an der Strecke?

Ja, wir sind schon immer zusammen, wenn wir an der Strecke sind.

Gibt er Ihnen auch Tipps, welche Kurvenlinien oder welche Reifen die besten sind?

Ja, das sind eher so technische Tipps. Die werden aber immer seltener, weil ich von Rennen zu Rennen ja immer mehr Erfahrung kriege.

Beherzigen Sie diese Ratschläge?

Ich versuche immer anzunehmen, was er mir sagt, auch wenn es manchmal schwer fällt. Ich habe oft auch meinen Kopf durchgesetzt und gesagt: So wird’s gemacht. Und im Nachhinein hat sich dann herausgestellt, wenn wir’s so gemacht hätten, wie der Papa gesagt hat, wäre es vielleicht besser gewesen. Daraus habe ich auch gelernt und mir schon ein paar Dinge sagen lassen.

Der Formel-1-Pilot Nico Rosberg fährt einen anderen Kurs. Er verbittet sich Fahrtipps von seinem Vater Keke.

Ich kann das schon verstehen, wenn es in der Hinsicht zwischen Vater und Sohn keine so gute Beziehung gibt. Da ist halt jeder anders. Es ist ja auch nicht so, dass ich immer mit meinem Papa derselben Meinung bin. Wir zoffen uns schon ab und zu.

Sie sitzen dann abends im Wohnwagen und diskutieren über die Renntaktik?

Man kann nicht immer einen Plan machen, aber wir gehen grob die Dinge durch, die anfallen könnten und die man planen kann. Aber es wird nicht nur über das Rennen gesprochen – es gibt ja auch noch ein anderes Leben.

Also ist er in gewisser Weise auch ein Freund für Sie?

Ja, wir haben schon ein gutes Verhältnis.

Brauchen Sie Ihren Vater in Ihrer Nähe, um sich an der Strecke wohl zu fühlen?

Mir ist es schon lieber, wenn er dabei ist. Mit ihm kann ich darüber reden, wenn es mal nicht so läuft, oder auch über andere Dinge, die niemand anderen etwas angehen. Zu ihm habe ich einfach Vertrauen – das ist ganz wichtig. Wenn man ganz oben in der WM mitfährt, halten nicht unbedingt alle zu dir. Das ist so eine Art Haifischbecken, wie auch in der Formel 1.

Als Sie letztes Jahr bei Repsol Honda in Spanien waren, durfte Ihr Vater nicht an Ihrer Seite sein. Sie haben daraufhin Ihre Karriere für beendet erklärt – mit 17.

Die Spanier haben eine ganz andere Mentalität zum Rennsport. Das war wie Militärdienst, so wurde man gedrillt. Und Eltern waren nicht erwünscht, mein Vater durfte nicht einmal in die Box kommen. Da habe ich mich einfach nicht wohl gefühlt, ich habe deswegen meine Leistung nicht bringen können. Deswegen habe ich mir gesagt: Ich muss aufhören, sonst mache ich mich für mein weiteres Leben auch noch kaputt.

Trotzdem haben Sie ein Comeback gewagt – im kleinen Team Kiefer Racing aus Idar- Oberstein. Ist Ihnen eine familiäre Stimmung wichtiger als ein schnelles Motorrad?

Da muss alles dazugehören. Der Wohlfühlfaktor bei Kiefer Racing ist sehr hoch und trägt natürlich zum Erfolg bei. Wir verstehen uns gut und die Technik passt.

Nun läuft es sogar so gut, dass Sie über einen Wechsel in die 250er-Klasse nachdenken. Wollen Sie das nur zusammen mit Ihrem Team machen oder trauen Sie sich diesen Sprung auch allein zu?

Wenn das klappen könnte, dann würde ich das schon bei Kiefer machen wollen, denn der Vertrag bis Ende 2009 ist ja bereits unterschrieben. Aber das ist auch eine Frage des Geldes.

Ist es wahrscheinlicher, dass Sie in der nächsten Saison noch 125er fahren?

Ja.

Aber langfristig wollen Sie schon aufsteigen?

Natürlich. Irgendwann möchte ich in die MotoGP, das ist das Fernziel.

Und Ihr Vater kommt dann mit?

Warum nicht? Wenn es ihm gefällt, kann er gern mitkommen. Aber es wird sicher Zeiten geben, wo er nicht mehr so viel Zeit für mich hat. Er hat ja daheim auch noch ein Geschäft.

Aber er sollte doch schon dabei sein, wenn Sie ihn nächstes Jahr vielleicht mit dem Titel sogar übertrumpfen?

Erst mal konzentriere ich mich darauf, dass es mit dem Vize-WM-Titel in diesem Jahr klappt. In Malaysia und beim letzten Rennen in Valencia will ich aufs Podest fahren. Was nächstes Jahr angeht: Wenn ich sage, ich will 2009 Weltmeister werden, setze ich mich nur unnötig unter Druck. Ich sage einfach, ich will unter die ersten Drei – fertig aus.

– Das Gespräch führte Christian Hönicke.

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