Interview : Susanne Riesch: „Es bleibt in der Familie“

Skiläuferin Susanne Riesch spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über ihren dritten Platz in Are und den Konkurrenzkampf mit ihrer Schwester Maria.

Slalom - Maria und Susanne Riesch
Riesch und Riesch. Maria (links) und Susanne nehmen Siegerin Sandrine Aubert in die Mitte.Foto: dpa

Susanne Riesch, haben Sie neben Maria noch eine weitere Schwester, die in Zukunft das Podest vollmachen könnte?

(lacht). Ich habe noch einen Zwillingsbruder, aber der fährt nicht Ski. Er hat mit mir angefangen, aber für ihn war das Skifahren nichts. Er ist relativ dünn und hat die falsche Statur für einen Skifahrer. Er ist Hobbysportler und wird später mal die Firma meines Vaters übernehmen. Aber zwei Riesch-Schwestern auf dem Podest ist doch auch schon schön.

Sie standen beim Weltcup-Slalom in Are erstmals gemeinsam mit Ihrer Schwester Maria auf dem Podest. Wie haben Sie das gefeiert?

Das ist leider ein bisschen ausgeblieben, wir sind gestern um 21 Uhr in Zürich gelandet und mussten dann noch bis Garmisch fahren. Wir waren erst um halb eins zu Hause. Aber das werden wir noch nachholen.

Es war Ihr erster dritter Platz im Weltcup, haben Sie wenigstens ein euphorisches Gefühl am Tag danach?

Wenn man die Zeitung aufschlägt, die Fotos sieht und auf der Internetseite des Weltskiverbandes liest, dass man in der Slalom-Startliste vorgerutscht ist, dann ist das super. Hoffen wir, dass es so weitergeht.

Zweimal Vierte, einmal Dritte – warum läuft es für Sie so gut in diesem Winter?

Ich habe im Sommer sehr, sehr viel trainiert, habe mich auch im konditionellen Bereich stark verbessert. Ich habe es dann in Levi beim ersten Rennen mit einem vierten Platz gleich gut runtergebracht. Wenn man dann die Gewissheit über seine Form hat, dann läuft’s. Im Slalom passiert viel im Kopf.

Könnte auch größere Reife ein Grund sein?

Chaos-Susi hat mich die Presse mal genannt, aber das ist ein bisschen übertrieben. Sicher bin ich reifer geworden, habe meine eigene Wohnung, bin eigentlich ein relativ ordentlicher Mensch. Mit den Jahren wächst das alles. Und am Anfang habe ich mir im Weltcup auch zu viel Druck gemacht.

Warum fährt die Familie Riesch so gut Ski?

Wir sind in Garmisch direkt neben der Piste aufgewachsen und unsere Eltern haben uns, seit wir fünf Jahre alt sind, gut unterstützt. Wir haben das Talent vom lieben Gott bekommen – und wir sind sehr ehrgeizig.

Haben Sie deshalb nicht auch Lust, die Schwester zu bezwingen?

Ich habe es schon geschafft, in Aspen. Es wäre sicher toll, wenn man öfters schneller wäre als die Maria. Sie ist eine Größe im Slalomweltcup, und wenn man schneller fährt als sie, kann das Ergebnis nicht so schlecht aussehen. Aber der Slalom in Are zählt zu den schönsten Momenten. Wenn wir zwei nebeneinander auf dem Podest stehen, da herrscht kein Konkurrenzkampf. Es bleibt ja in der Familie.

Ist das nicht auch deprimierend, wenn die eigene Schwester immer besser ist?

Eigentlich war das immer nur Ansporn. Ich habe von Anfang an mitgekriegt, wie es bei Maria läuft, und habe gesehen, was vielleicht später auf mich zukommt. Ich bin in Garmisch mit dem Skifahren aufgewachsen und stehe, seit ich drei Jahre alt bin, auf den Skiern. Es ist immer mein Traum gewesen, einen Weltcup oder eine Medaille bei Großereignissen zu gewinnen. Auf das arbeitet man hin.

Was können Sie besser als Maria?

Wir spielen beide viel Tennis im Sommer, und da, würde ich sagen, schlage ich sie.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

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