Interview : Sven Felski: "Das Viertelfinale ist ein Riesending"

Der Berliner Sven Felski über die Stimmung im deutschen Eishockey-Team, die Chancen im Viertelfinale gegen die Schweiz und einen möglichen Eintrag ins Geschichtsbuch.

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Eisbären-Stürmer Sven Felski nahm mit dem deutschen Nationalteam an fünf Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen teil. Foto: dpa
Eisbären-Stürmer Sven Felski nahm mit dem deutschen Nationalteam an fünf Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen teil.Foto: dpa

Sven Felski, erinnern Sie sich noch an die Eishockey-Weltmeisterschaft 2003?

Ach je, das ist schon ganz schön weit weg. Damals waren wir in Finnland und sind ins Viertelfinale eingezogen. Von der Stimmung her ist das aber natürlich überhaupt nicht mit dem jetzigen Turnier vergleichbar.

Sieben Jahre später haben Sie in Köln wieder einen Viertelfinaleinzug gefeiert. Ein Erfolg des Heimvorteils?

Wenn dich über 15 000 Leute in der Halle anfeuern, treibt dich das natürlich extrem nach vorne – keine Frage. Da will sich jeder in Szene setzen und niemand will sich einen Fehler erlauben. Im Jahr 2001 sind wir bei der Heim-WM ja auch bis ins Viertelfinale gekommen. Aber der Heimvorteil allein bringt dich nicht so weit.

Was ist es denn darüber hinaus?

Wir sind während des gesamten Turniers läuferisch und kämpferisch top drauf und spielen sehr gut mit – egal, ob der Gegner nun Slowakei, Dänemark oder Russland heißt. Teilweise war es bitter, weil wir immer nur mit einem Tor Unterschied verloren haben. Gegen die Slowaken aber kam am Dienstag auch endlich mal das Glück dazu. Was da abgelaufen ist, war schon nicht so schlecht (lacht).

Das ist vorsichtig formuliert …

Es sagt doch alles, wenn man sich nach einer so langen Zeit wieder für ein Viertelfinale qualifiziert. Endlich wurden wir mal für die Arbeit der vergangenen Jahre belohnt, in denen wir nicht immer Glück hatten. Das hat für uns einen sehr großen Stellenwert.

In den vergangenen Jahren traten Sie nicht nur glücklos, sondern oft auch leistungsschwächer auf als im Moment. Bei der vergangenen WM hat Sie sogar nur das Heimrecht vor dem Abstieg bewahrt. Was hat sich seitdem verändert?

Wir sind eine Mannschaft ohne Superstars, in der sich jeder unterordnet – ein richtig geschlossenes Team, auch deshalb ist die Stimmung unter uns so gut. Der Erfolg resultiert vor allem daraus, dass alle Mannschaftsteile an einem Strang ziehen, jeder kämpft für jeden, und das ist nicht nur so dahingesagt. Außerdem ist unser Spielsystem ein anderes.

Inwiefern?

Wir ziehen jetzt unser eigenes Spiel durch und lassen uns nicht mehr vom Gegner beeindrucken, auch wenn er wie die Russen diesmal gegen uns nur mit Superstars antritt. Früher sind wir oft verhalten auf das Eis gelaufen, da ging es uns viel zu oft darum, nicht zu hoch zu verlieren. Jetzt spielen wir sehr selbstbewusst, aggressiv und offensiv. Wir wollen nicht mehr nur reagieren, wir wollen aktiv auftreten. Das hat bislang doch auch sehr gut geklappt.

Und was ist bei dieser WM noch möglich?

Das Viertelfinale ist schon ein Riesending. Dadurch haben wir keinen Druck mehr und können befreit aufspielen. Für uns könnte es ein Vorteil sein, dass wir nichts mehr zu verlieren haben. Gegen die Schweizer gab es zuletzt immer enge Duelle, warum sollte nicht eines davon auch mal zu unseren Gunsten ausfallen?

Das heißt konkret?

Das heißt, dass es nicht einfach wird, uns zu schlagen, wenn wir so weiterspielen. Den Rest kann man sich denken. Es wäre doch wirklich schön, wenn sich diese Mannschaft in die Geschichtsbücher eintragen könnte.

Das Gespräch führte Katrin Schulze.

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