Interview : Wie geht's eigentlich... Martin Spanring

Martin Spanring (40) bestritt in der Bundesliga 172 Spiele, die meisten davon für den SC Freiburg. Vor dem Spiel seines Ex-Klubs beim FC Bayern haben wir ihn ausfindig gemacht.

Martin SPANRING,VFB Stuttgart, Fussball - Bundesliga Saison 1999 2000 .
Die Haare immer gut in Form. Martin Spanring. -Foto: dpa

Herr Spanring, wo erwischen wir Sie gerade?



In meinem Büro im Europapark Rust, wo ich seit sieben Jahren als Sportmanager arbeite. In dieser Funktion betreue ich unsere Partner wie den SC Freiburg oder Bayern München, organisiere etwa Autogrammstunden in unserem Park, kümmere mich aber auch um unsere Bandenwerbung in den Stadien.

Sie gehören damit nicht zu den üblichen Verdächtigen, die als Ex-Profi Trainer, Scout oder Sportdirektor geworden sind. Warum sind Sie nicht im Fußball geblieben?

Weil ich darauf, ehrlich gesagt, gar keine Lust hatte. Für mich war immer klar, dass ich dem Fußball komplett den Rücken kehren wollte. Das habe ich in den ersten zwei bis drei Jahren auch geschafft. Aber seitdem ich die Kooperation mit dem SC Freiburg und anderen Fußballvereinen mitorganisiere, hat mich der Fußball wieder eingeholt. Am Wochenende werde ich auch in der Allianz Arena sein, weil der FC Bayern mich eingeladen hat.

Dort empfangen die Bayern den SC Freiburg. Anfang der 90er deklassierte Ihr Ex-Klub den Rekordmeister in drei Heimspielen hintereinander. Sie standen in allen drei Spielen auf dem Platz. Wie wurde diese Freiburger Mannschaft der Angstgegner des FC Bayern?

Man muss einfach nur schauen, was wir beim SC damals eigentlich für eine Mannschaft hatten. Mit Cardoso, Todt oder Zeyer. Das waren genau die Spielertypen, die du brauchst um erfolgreichen und schönen Fußball zu spielen. Diese Konstellation im Mittelfeld war gigantisch. Bei uns standen aber auch einfach zehn Kumpels auf dem Platz. Das war damals zusammen mit unserer spielerischen Klasse das Erfolgsrezept.

Sie erspielten sich damals den Beinamen Breisgau-Brasilianer. Woher kam diese für einen Aufsteiger eher untypisch elegante Ballsicherheit?

Jeder Spieler, der bei uns auf dem Platz stand, hat das von Volker Finke eingeführte Kurzpassspiel perfekt beherrscht und das hat uns eine große Sicherheit gegeben. Wir haben dieses System gewollt und der Trainer hat gesehen, dass es zu uns passt. Damals ist einfach ein perfektes System zur rechten Zeit auf die richtigen Spieler getroffen. Und wir haben davon enorm profitiert.

Hatte Volker Finke mit diesem  Konzept des Kurzpasspiels letztendlich das Kryptonit des FC Bayern gefunden?

Wir waren durch unsere spielerische Ausrichtung einfach ein unangenehmer Gegner für die Bayern. Dem FC Bayern schmeckt es eben nicht, wenn eine Mannschaft spielstark ist, den Ball laufen lassen kann. Das war schon immer so. Die Bayern profitieren aufgrund ihrer individuellen Klasse ganz oft von Fehlern des Gegners, die sie dann eiskalt bestrafen. Wenn du aber ballsischer bist wie wir es waren, machst du einfach weniger Fehler.

Waren die Siege gegen die Bayern vor diesem Hintergrund für die Öffentlichkeit eine viel größere Sensation als für die Mannschaft selbst?

Ich glaube ja. Weil wir immer das Gefühl hatten, dass wir an einem guten Tag jeden schlagen können. Wir haben damals im Trainingslager in Spanien sogar Real Madrid mit 6:1 besiegt.

Wie bewerten Sie die Freiburger Mannschaft heute?

Natürlich hat die Mannschaft heute ein ganz anderes Gesicht. Das Kurzpassspiel, das den SC Freiburg Mitte der 90er ausgemacht hat, funktioniert heute nicht mehr.

Kann der SC Freiburg den Abstieg noch abwenden?

Auf alle Fälle. Da denke ich nach wie vor positiv. Die Freiburger haben in den letzten Spielen, gerade gegen Hannover einfach auch Pech gehabt. Mit ein bisschen mehr Glück hätten sie jetzt drei Punkte mehr, aber so etwas wendet sich im Laufe einer Saison auch wieder.

Wie geht das Spiel in München aus?

Ein Ergebnis wie damals ist, glaube ich, nur noch aus Sicht der Bayern möglich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Freiburger in München drei Tore schießen. Ich hoffe aber auf ein 1:1.


Interview: Lucas Vogelsang

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