Interview : Willy Bogner: "Irgendwie sind wir ja alle behindert"

Willy Bogner, der als Skirennfahrer selbst zweimal an Olympia teilnahm, spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über den Einfluss der Paralympics auf seine Arbeit als Chef der Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018.

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Willy Bogner, 68, ist der Chef von Münchens Bewerbung um die Winterspiele 2018. -Foto: Thilo Rückeis

Willkommen in Whistler, Herr Bogner. Wie war die Anreise?



Alles wunderbar. Ich bin nur etwas müde, nach meiner Zeit ist es jetzt drei Uhr nachts.

Sie nehmen sich Zeit für die Paralympics. Wann sind Ihnen die Olympischen Spiele der Menschen mit Körperbehinderungen das erste Mal aufgefallen?

Also, so richtig im Bewusstsein ist mir dieser Sport seit fünf Jahren. Das ist fantastisch, was die neue Technologien wie Prothesen und Sportrollstühle so alles ermöglichen. Das kann man sich gar nicht vorstellen, als Nichtbehinderter kann man da oft gar nicht mehr gegen die Leistungen ankommen.

Haben Sie vor Ihrem Abflug nach Kanada die Paralympics auch in Deutschland vorm Fernseher verfolgt?

Natürlich, das ist spannend. Ich habe im Fernsehen angeguckt, was ging. Und die letzten Wettkämpfe werde ich mir jetzt hier live anschauen.

Sie haben Sportfilme gedreht und die Stuntszenen in James-Bond-Filmen. Können Sie sich auch vorstellen, dass Behindertensportler diese Rolle übernehmen?

Natürlich, das sind doch fantastische Leistungen, die die Sportler da zeigen

Was bedeuten Ihnen die Spiele hier in Whistler und Vancouver?

Ich bin ja selbst mal bei Olympischen Spielen dabei gewesen, das war 1960 und 1964. Als ich damals einmarschiert bin, war ich 18 Jahre alt. Dieses Erlebnis vergisst man nie wieder, das hat mich für mein Leben geprägt. Olympische und erst recht Paralympische Spiele haben ja sehr viel mit Emotionen zu tun. Die Paralympics haben eine wachsende Bedeutung, aber hier werden auch noch familiäre Gefühle wach. Dieser ursprüngliche olympische Geist, der erinnert mich an meine Empfindungen von vor 50 Jahren.

Einige Menschen haben noch Berührungsängste mit Behindertensportlern. Was sagen Sie denen?

Wissen Sie, irgendwie sind wir doch alle behindert. Wir brauchen nicht zu denken, dass wir was besser können, nur weil wir zwei Hände haben. Ein Mensch mit einer Hand holt vielleicht viel mehr raus als wir. Behinderte und Nichtbehinderte kommen sich auch in ihren Leistungen immer näher. Mich fasziniert diese Haltung, dass diese Athleten das Letzte herausholen wollen. Ob nun jemand gewinnt oder nicht, auch wenn sich jemand nach vorne kämpft und für seine Verhältnisse erfolgreich ist, ist das eine Leistung. Das wird zu wenig herausgehoben.

Auf Ihrer Jacke kann man schon den Bewerberstadt-Aufnäher lesen: „München 2018“. Was nehmen Sie aus Kanada für die Bewerbung für die Winterspiele in Deutschland mit?

Ich werde eine Menge mitnehmen. Wir werden die Bewerbungsfilme drehen, da werden auch die paralympischen Stars eine Rolle spielen. Ich habe auch Teile des Bewerbungsfilmes für Sotschi 2014 gemacht. Im Film haben Emotionen eine große Bedeutung, wie auch im paralympischen Sport. Ich hoffe auch, mehr behinderte Sportler beim Erarbeiten der Bewerbung zu integrieren.

Ist es richtig, dass Sie bei der Einkleidung der paralympischen Nationalmannschaft auch auf die Bedürfnisse der Handicapathleten eingegangen sind?

Ja, wir passen die Kleidung immer gern den Bedürfnissen der Träger an. Mir war auch wichtig, dass die Farben strahlend, hell und positiv wirken.

Herr Bogner, werden Sie hier in Kanada eigentlich auch selbst die Skier anschnallen?

Erstmal widme ich mich meiner Aufgabe. Und wenn das getan ist, werde ich noch Urlaub machen und in den Pulverschnee gehen. Mit Freunden, beim Heliskiing, das ist schon Tradition.


Das Gespräch führten Annette Kögel und Leonie Arzberger.

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