Interview : „Wir brauchen keine Hilfe von den Bayern“

Wie der VfL Wolfsburg doch noch zu seinem Meisterbalkon kam.

Herr Pokuta, Sie haben gemeinsam mit Ihrem Bruder Janusz den Wolfsburger Meisterbalkon gebaut. Leider wird der trotz Meisterschaft nicht zum Einsatz kommen.

Ja, leider. Die Stadt hat die Planung geändert und baut nun lieber eine Bühne auf. Das ist sehr schade, denn die Leute sind begeistert: Viele Fans waren hier, alle wollten unseren Balkon sehen, alle finden ihn super. Nur von der Stadt und vom Verein hat ihn niemand angesehen. Die haben sich von vornherein eher bedeckt gehalten. Ich glaube, Wolfsburg ist doch etwas überfordert mit der Meisterschaft.

Zur Erklärung: Das Wolfsburger Rathaus hat keinen Balkon, wie man ihn beispielsweise aus dem feierverwöhnten München kennt. Wie ist die Idee entstanden, selbst einen Balkon zu bauen?

Der Anstoß kam tatsächlich aus München. 2004 stand der VfL schon einmal mehrere Spieltage auf Platz eins. Auf eine mögliche Meisterschaft des VfL und den nicht vorhandenen Balkon am Rathaus angesprochen, sagte Uli Hoeneß damals grinsend: „Wenn Wolfsburg Meister wird, dann spendieren wir denen einen Balkon.“ Das konnten wir als Fans doch nicht auf uns sitzen lassen und haben gesagt: Wir brauchen nichts geschenkt, schon gar nicht von den Bayern! Und da haben wir mit dem Bauen angefangen.

Damals wurde noch nichts daraus. Haben Sie fünf Jahre lang immer weiter gebaut?

Nein, wir haben dann erst mal wieder aufgehört. Aber das Versprechen war: Wenn die Chance mal wieder da ist, dann bauen wir weiter. Nach dem 5:1 gegen Bayern wussten wir: Jetzt ist es möglich. Und da haben wir wieder angefangen und bei jedem Sieg ein Teil fertiggestellt.

Wie sollte das Ganze denn aussehen?

Eigentlich wollten wir den Balkon direkt am Rathaus anbringen, aber dafür haben wir keine Genehmigung erhalten. Also haben wir ihn so gebaut, dass man ihn auch freistehend auf den Rathausplatz stellen kann. 100 Leute haben locker Platz. Das wäre doch super: Der frei stehende Balkon, in der Mitte die Mannschaft, die Fans drum herum. Ideal für eine Meisterfeier.

Freuen Sie sich denn trotzdem für den VfL?

Keine Frage, wir feiern, so oder so, mit dem Stadt und dem VfL! Ich habe es damals gewusst, als Felix Magath kam. Der Magath, das ist ein Meistermacher!

Und wenn Sie nun noch jemand anruft?

Kein Problem, in ein paar Stunden ist das Ding aufgebaut. Da nehmen wir ein paar Fans und bauen zur Not die ganze Nacht. Ein Anruf genügt und der Balkon steht Sonntag um zwölf auf dem Rathausplatz!

Das Gespräch führte Anke Myrrhe.

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