Sport : Intrigantes Plattenspiel

Der Präsident und der Ehrenpräsident im deutschen Tischtennis streiten über alte Rechnungen

Friedhard Teuffel

Berlin - Das deutsche Tischtennis ist gerade in zwei Fraktionen zerfallen. Auf der einen Seite steht Hans Wilhelm Gäb, der Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), auf der anderen Walter Gründahl, der Präsident des DTTB. Gründahl hat seinen Abschied schon angekündigt, er wird nur bis Juni im Amt sein. Doch die Zeit bis dahin könnte eine einzige Abrechnung werden. Es geht um eine umstrittene Honrorarzahlung, über die sich der DTTB intern einigen wollte und die nun öffentlich diskutiert wird.

Gäb ist die Lichtgestalt im deutschen Tischtennis. Einen stärkeren Repräsentanten als den früheren Manager von General Motors hat der Tischtennissport in Deutschland noch nicht gehabt. Wegen einer schweren Krankheit war er 1994 als Präsident zurückgetreten. Seit es Gäb besser geht, nimmt er wieder Einfluss. Gegen Gäb blieb Gründahl immer blass.

Bis 1994 war Gründahl Generalsekretär des DTTB. Als der Jurist aus Kiel Präsident wurde, ließ er sich von der Tischtennis-Marketing-Gesellschaft (TMG) für Beratungsleistungen bezahlen. Eine Abfindung als Generalsekretär in Höhe von 30 000 Mark hatte er ohnehin erhalten. Zusätzliche Zahlungen sollten ihm den Übergang in seinen Beruf des Anwalts und Notars erleichtern.

Von Juli 1994 bis Dezember 1995 erhielt Gründahl von der TMG 95 800 Mark. Einen schriftlichen Vertrag darüber gibt es nicht, und auch die erbrachten Leistungen sind nicht protokolliert. Die Anweisungen für diese Zahlungen soll Klaus Maier erteilt haben, der für Finanzen zuständige Vizepräsident des DTTB. „Man kann nicht tolerieren, dass ein Präsidiumsmitglied dem anderen 100 000 Mark zuschiebt“, sagt Gäb nun.

Gäb und der für den Leistungssport zuständige Vizepräsident Eberhard Schöler wollen jedenfalls nichts von den Zahlungen gewusst haben. Doch es scheint alles eine Frage der Erinnerung zu sein. „Ich habe die feste Erinnerung, dass ich mit Herrn Gäb und Herrn Schöler über das Geld geredet habe“, sagt Maier. Zuletzt wunderte er sich darüber, dass sich Schöler nicht an die Abfindung für Gründahl erinnern konnte, obwohl er sie selbst unterschrieben hatte. „Aber er kann sich angeblich gut daran erinnern, nicht mit mir über die weiteren Zahlungen an Gründahl gesprochen zu haben“, sagt Maier. Gründahl ist zurzeit krank. Er sagte gestern am Telefon, dass er sich heute zu der Angelegenheit äußern werde.

Die Landesverbände haben sich längst den beiden Lagern zugeordnet. Der Saarländische Tischtennis-Bund etwa war der Erste, der die Vorwürfe gegen Gründahl öffentlich machte. Verteidigt haben Gründahl daraufhin die Verbände aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Im Raum stehen nun zwei Rücktrittsforderungen. Gründahl sei nicht zu halten, sagen die Saarländer. Gäb müsse zurücktreten, fordern Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Württemberg. Es sei „deutlich geworden, dass Sie Ihre eigenen Ziele unnachgiebig verfolgen und dass es Ihnen nicht gelingt, andere Meinungen gelten zu lassen“, schreiben sie Gäb. Sie werfen ihm zudem vor, dass die Bundestrainerin Eva Jeler damals auf seine Initiative hin einen mit 500 000 Mark dotierten Vertrag erhalten hatte und schreiben: „Wir ermitteln derzeit, ob für diese Zahlung überhaupt eine Gegenleistung erbracht wurde.“ Gäb sagt: „Ich kann doch einem so niedrigen Manöver nicht weichen. Das ist eine erbärmliche Manipulation.“ Jeler habe die 500 000 Mark für ihre Arbeit über sieben Jahre verteilt erhalten.

Neuer Präsident will Thomas Weikert werden. Doch bevor der Justitiar des DTTB gewählt werden kann, muss er jetzt erst einmal die Landesverbände einen.

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