Sport : Intrigen in der Boxengasse

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Christian Hönicke über einen weiteren Vorschlag von Max Mosley

Michael Schumacher läuft puterrot an. „Wenn du mir nochmal ins Auto fährst, dann setzt es was!“, brüllt der Formel1-Weltmeister seinem Bruder Ralf zu und haut mit der Faust auf den Tisch. „Ach, hör doch auf“, entgegnet der. „Auf der Kartbahn hast du das auch nicht anders gemacht.“ Jetzt wird es David Coulthard zu bunt. „Also, hört mal, das muss doch nicht sein…“ „Was willst du denn?“, unterbricht ihn Ralf. „Lern erst mal Auto fahren.“ Das saß. Coulthard senkt sein Haupt und fängt leise an zu schluchzen. Kimi Räikkönen legt tröstend den Arm um seine Schulter. „Du kannst Auto fahren, ehrlich.“

So ähnlich dürfte sich das Max Mosley, Präsident des Motorsport-Weltverbands, vorgestellt haben, als er vorschlug, Fahrerbesprechungen vor Formel-1-Rennen live zu übertragen. Weil das Warm-up am Sonntag wegfällt, muss man die Fans irgendwie anders vor den Fernseher locken. Eine Seifenoper aus der Boxengasse, mit Intrigen, Eifersüchteleien, Handgreiflichkeiten, plötzlich auftauchenden Schwippschwägern und allem Drum und Dran – das wäre doch was Feines.

Leider sieht die Realität anders aus. Fahrerbesprechungen beschäftigen sich meist mit Sicherheitsfragen, alle Schaltjahre gibt es mal ein aufregenderes Thema. Beim ersten Mal ist das vielleicht noch witzig, so ganz nah bei Schumi zu sein. Auf die Dauer wird der Unterhaltungswert allerdings ähnlich hoch sein wie der seiner ständigen Siege.

Viel lustiger ist die kontinuierlich ansteigende Frequenz der Mosleyschen Reformvorschläge. Das zeigt: Es ist nicht mehr lang bis zum Saisonstart. Schon putzig, wie er die darbende Formel 1 wieder ins Gespräch bringen will. Also bis demnächst, Herr Mosley. Gleiche Stelle, anderes Thema. Und am 9. März geht’s dann endlich richtig los.

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