Sport : IOC: Dabei sein und Geld verdienen

Willi Daume hat einmal gesagt: "Ich kann nicht kritisieren, dass das IOC so viel Geld einnimmt. Man kann aber kritisieren, wofür es das Geld ausgibt." Der Geldmeister Juan Antonio Samaranch hat nun zum Ende seiner Ära eine Kurskorrektur vorgenommen. Sein Internationales Olympisches Komitee (IOC) wird seinen Entwicklungshilfe-Etat "Olympische Solidarität" in den kommenden vier Jahren auf 209,5 Millionen Dollar (460 Millionen Mark) und damit um 75 Prozent ausweiten. Das ist nicht besonders viel, denn das olympische Geschäft wird in der kommenden Vier-Jahres-Periode nahezu vier Milliarden Dollar an Marketing-Einnahmen erbringen. Aber es könnte ein Signal für eine neue Ausgabenpolitik mit stärkeren sozialen Bezügen sein.

Samaranch jedenfalls feierte den jüngsten Beschluss des IOC-Exekutivkomitees als "historischen Schritt". Doch für andere Mitglieder der IOC-Führungsriege wie Thomas Bach ist die Anhebung nur ein "Zwischenschritt". Der IOC-Vizepräsident aus Tauberbischofsheim sagt: "Da ist noch Luft. Wir sollten da weiter gehen." Aber das wird nicht einfach sein. Denn es geht um Machtfragen, und der Verteilungskampf innerhalb der Olympischen Familie wird nach dem Abgang des autoritären Samaranch heftig aufflammen. Bei der Zubemessung der 209,5 Millionen Dollar konnte Samaranch die Forderung des ehrgeizigen Mexikaners Mario Vazquez Rana zurückweisen, die von ihm angeführte Vereinigung der NOKs (ANOC) müsse die Gelder der Olympischen Solidarität verteilen. Dies fällt künftig zu 40 Prozent in die Zuständigkeit der fünf kontinentalen NOK-Vereinigungen. Der große Rest wird direkt vom IOC gemanagt.

Samaranch hat das IOC seit 1980 zu einer wahren Geldmaschine entwickelt. Sie produzierte zwischen 1997 und 2000 Marketing-Einnahmen aus Olympischen Spielen von 3,6 Milliarden Dollar. Mit 1,9 Milliarden Dollar ging die größte Summe davon an die Organisatoren der letzten Spiele in Sydney. Auch die übrigen Mitglieder der Olympischen Familie mussten nicht darben. 211 Millionen Dollar schüttete Samaranch an die 35 Verbände mit olympischen Sportarten aus, 80 Millionen Dollar (ohne Olympische Solidarität) an 199 Nationale Olympische Komitees.

Allein 200 Millionen Dollar durften die USA für sich verbuchen. Dort sind die meisten Großsponsoren zu Hause. Die gewaltige Summe drückt die soziale Schieflage in der Verteilungspolitik des IOC aus. Für sich selbst reservierte das IOC rund sieben Prozent der Gesamteinnahmen. Das macht rund 250 Millionen Dollar für die vergangenen vier Jahre aus.

Der am 16. Juli 2001 zu wählende neue IOC-Präsident muss sich bis 2004 in diesem Zahlenrahmen bewegen. Für die Periode danach erwachsen ihm neue Spielräume, auch für die Entwiklungshilfe. Für Bach entscheidet sich dabei, ob "Chancengerechtigkeit mit Inhalten zu füllen ist". Die Sydney-Spiele machen ihm Mut. Die Medaillen verteilten sich auf 80, die Finalplätze auf 120 der 200 Länder. Ein spezielles Stipendienprogramm ermöglichte 472 Athleten aus unterentwickelten Ländern die Olympia-Teilnahme, 70 davon gewannen eine Medaille.

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