Sport : IOC: Moral im Zentrum des Zirkels

Es war in diesen Tagen auch häufig die Rede von den olympischen Idealen, die es hochzuhalten gelte gegen die Weltattacke des Terrors. Das ist so weit auch völlig in Ordnung, wenn denn das Internationale Olympische Komitee als Repräsentant dieser Ideale stehen würde. Das tat es in der Vergangenheit, genauer in der Ära des Präsidenten Juan Antonio Samaranch, eher nicht, weswegen Olympia und seine Ideale arg zerzaust ins neue Jahrhundert gingen. Es gibt aber Hoffnung, dass sich dergleichen ändern wird.

Die Hoffnung trägt einen Namen und heißt Jacques Rogge. Rogge, seit zwei Monaten Nachfolger Samaranchs, räumt auf und entlarvt einzelne Mitglieder des vermeintlich noblen Komitees als das, was ihr Ruf schon lange verkündete: als korrupte, machtgeile Vorteilsnehmer.

Jetzt traf es Richard Pound, ausgerechnet den Mann im IOC, der sich gerne als Reformer gab, der Sauberkeit und Transparenz anmahnte und sich noch Mitte Juli über den südkoreanischen Kollegen Un Yong Kim entrüstete, weil der so genannte Ausgleichszahlungen für besondere Aufwendungen der eigentlich ehrenamtlichen IOC-Mitglieder vorgeschlagen hatte. Das und seine harte Hand im Nachklapp des Bestechungsskandals um die Olympiavergabe nach Salt Lake City, in deren Folge Pound den Ausschluss von zehn IOC-Mitgliedern vorantrieb, hatten ihn zu einem aussichtsreichen Kandidaten für die Samaranch-Nachfolge gemacht. Richard Pound, der verantwortlich zeichnete für die milliardenschweren Fernseh- und Sponsorenverträge des IOC, galt als Saubermann, als Hoffnung im verschrieenen olympischen Zirkel.

Er war wohl eher das Gegenteil. Drei Millionen Dollar Provision, die seine Anwaltskanzlei im Laufe der Jahre für ehrenamtliche Tätigkeiten kassierte, stellen einen anderen Pound dar. Einen, der die Vetternwirtschaft des Samaranch-Clans ganz ohne Unrechtbewusstsein mittrug und zum eigenen Vorteil nutzte. Es ist wohl von großem Glück für Olympia, dass Rogge die Wahl gegen Pound gewann, dass er anders denkt und entsprechend handelt. Damit die olympischen Ideale nicht zur Chimäre verkommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar