• IOC-Präsident: Der Fahnenträger: Von Pal Schmitt weiß man, dass er ein lockeres Leben führt

Sport : IOC-Präsident: Der Fahnenträger: Von Pal Schmitt weiß man, dass er ein lockeres Leben führt

Gerade mal zwei Bilder des Ungarn Pal Schmitt sind mir im Gedächtnis geblieben. Und auf beiden sieht Schmitt ziemlich lächerlich aus.

Schmitt ist im IOC verantwortlich für das Protokoll. Und, wie wir wissen, legen die Herren der Ringe viel Wert darauf, an welchem Tisch sie sitzen und wer von ihnen an der Bar hocken darf. Schmitt ist für solche Sachen zuständig. So war es auch beim IOC-Treffen 1999 in Seoul, der ersten Zusammenkunft nach dem Bestechungsskandal von Salt Lake City.

Als nun Präsident Samaranch in Seoul ans Mikrofon trat, um das Treffen zu eröffnen, geleitete ihn Schmitt von seinem Stuhl hoch aufs Podium. Von da an stand er in aufmerksamer Andacht neben seinem Chef, während der verkündete, der Skandal sei eigentlich nur eine "weltweite Medien-Kampagne". Das war das erste Bild, auf dem Schmitt lächerlich aussah.

Einen Tag später wurden neue Mitglieder ins Olympische Komitee aufgenommen. Als Zeichen neuer Offenheit durften auch die Medien per Videoschaltung dabei sein. Protokollchef Schmitt, ein Mann von mächtiger Statur, schritt mit einer großen olympischen Flagge an der Kamera vorbei und stellte sich direkt neben Samaranch, den großen Führer des Sports. Majestätisch schwang Schmitt die Flagge, während die neu aufzunehmenden Mitglieder einen bizarren Treueschwur abzulegen hatten.

Wer ist Pal Schmitt? Der 59-Jährige ist seit 18 Jahren im IOC dabei, inzwischen als sportlicher Botschafter Ungarns. Doch er war selten zu sehen. Wenn es um die Aufklärung von Korruption ging, ganz selten.

Im olympischen Geheimarchiv von Atlantas Olympiabewerbung steht über Schmitt, dass er "ein gutes Leben führt". Also ein lockeres. Er scheint es nicht so genau zu nehmen. Im Archiv war auch vermerkt, dass eine Tennisausbildung für seine Tochter Petra an der University of Georgia arrangiert worden war. Später wurde diese Passage zwar gestrichen - trotzdem kam heraus, dass sich IOC-Exekutivmitglied Anita De Frantz an der Universität für die Tenniskarriere Petra Schmitts eingesetzt hatte.

Pal Schmitt - ein wenig bekannter, ein belächelter Mann. Immerhin hat er eine IOC-Kommission geleitet, die den Umweltschutz als "Priorität der olympischen Bewegung" etablieren wollte. Dumm nur, dass die IOC-Bosse sich gerne mit dicken Mercedes-Limousinen herumkutschieren lassen. Zwischen der Lausanner Verbands-Zentrale und dem Flughafen von Genf fährt eine moderne, saubere Schnellbahn. Die Umweltschützer vom IOC ignorieren sie.

Irgendwie passt das zu Schmitt. Er sagt Sachen, die er meint sagen zu müssen. Aber Konkretes ist von ihm nicht zu erfahren. Außer seinem Plan, die Olympischen Spiele zwischen den Kontinenten rotieren zu lassen, ist über seine Zukunftspläne als IOC-Präsident nicht viel bekannt. Bei mir sind nur zwei lächerliche Bilder haften geblieben.

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