Iran : Wenig schleierhaft

Iranische Frauenteams dürfen zurzeit nicht unter dem Dach der Fifa spielen, weil der Verband deren Kleidung nicht akzeptiert.

Annette Kögel
Iran Foto: Promo
In voller Montur. Verschleierte Fußballerinnen haben es nicht leicht. -Foto: Promo

Berlin - Es ist wohl die Frage, mit der sie beim Weltfußballverband am wenigsten gerechnet haben dürften. Doch die Fifa wird sich wohl bald mit der Frage beschäftigen müssen, ob sich auch verschleiert auflaufende Frauen-Mannschaften an der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland beteiligen dürfen. Zahlreiche internationale Fußballspielerinnen haben jetzt angeregt, dass die Fifa die Kleidungsvorschriften für das Spiel auf dem Feld verändern solle. Bislang ist es der iranischen Mannschaft untersagt, selbst bei Qualifikationsspielen für die Fußball-WM anzutreten: Die in ihrem Land von der Regierung für Frauen vorgeschriebene langärmelige Kleidung mit Kopfbedeckung wird vom Fifa-Board in der Schweiz bei offiziellen Partien nicht akzeptiert. Bei anderen Sportarten wie etwa in der Leichtathletik können Frauen aus streng islamischen Ländern hingegen antreten, dort wird die langärmelige Kleidung als Sportdress angenommen.

„Es ist sehr schade, dass wir nicht mitmachen können“, sagte jetzt die iranische Spielerin Narmila Fathi aus Teheran dem Tagesspiegel. Die in weiß-rot-grün auflaufende Mannschaft besteht vor allem aus den landesweit aktiven „Foot-Sal“-Hallenspielerinnen – im Iran ist Frauen das Fußballspielen selbst mit Schleier in Open-Air-Stadien überwiegend verboten. Eine Ausnahme machten die Offiziellen vor zwei Jahren, als eine Auswahl des Berliner Verbandsliga-Vereins Al Dersimspor zu einem Freundschaftsspiel im Teheraner Ararat-Stadion zugelassen war – allerdings nur vor weiblichem Publikum. Die Partie endete 2:2. Die damalige Spielerin mit der Trikotnummer 13, die 23-jährige Stürmerin und Nachwuchstrainerin Narmila Fathi, war jetzt als Vertreterin ihres Teams in Deutschland zu Besuch, als der Dokumentarfilm „Football Under Cover“ über die Begegnung Berlin - Teheran bundesweit in die Kinos kam. Das geplante Rückspiel in Berlin kam bislang nicht zustande, weil die Reise den iranischen Behörden zufolge wegen „technischer Probleme“ kurzfristig nicht möglich war. Jetzt wollen sich aber die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, sowie die Botschafterin der Frauen-Fußball-WM 2011, Steffi Jones, für ein Rückspiel stark machen.

Möglicherweise können Narmila Fathi, Niloofar Basir und andere herausragende Spielerinnen ihres Landes ja doch für die Frauenfußballweltmeisterschaft trainieren. „Dann müsste der iranische Fußballverband aber zunächst einen entsprechenden Antrag stellen beim International Football Association Board“, sagte Fifa-Kommunikationsdirektor Andreas Herren. Ein solcher Antrag liege bislang nicht vor. Nach Auskunft von „Football- Under-Cover“-Spielorganisatorin Marlene Assmann war das Interesse des iranischen Fußballverbandes an der Partie gegen die Deutschen sehr groß.

Von der Regel könnte auch Afghanistan betroffen sein. Bei Teams wie etwa Syrien, Jordanien oder Saudi Arabien können sich die Spielerinnen bislang aussuchen, ob sie kurzärmelig oder verschleiert spielen. Fifa-Sprecher Andreas Herren betonte, dass die Fifa-Kleidungsregeln keinen Unterschied machen zwischen Männern und Frauen – und dass die Fifa keine gesellschaftspolitische Organisation sei. Wichtig sei bei der Bekleidung, dass sie die Sicherheit des Spiels nicht beeinträchtige, deshalb seien auch bei den Männern Ohrringe, wie Diego Maradona sie gerne trug, verboten – Gegner könnten daran hängen bleiben und sich verletzen. Die vollverschleierten Spielerinnen hingegen haben mit ganz anderen Phänomen zu tun: nämlich der eigenen eingeschränkten Bewegungsfreiheit und leicht abgedämpftem Hörvermögen.

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