Sport : Irgendwann in Berlin

Hertha muss im Pokal erst einmal nach Darmstadt

Stefan Tillmann

Berlin - Dieter Hoeneß kennt die kleinen Gegner im Pokal. Als Spieler beim FC Bayern wäre er ein Mal fast gegen den ASV Bergedorf 1885 ausgeschieden. 1:0 führte der Oberligist, ehe Hoeneß in der letzten Spielminute den Ausgleich köpfte. 5:1 siegte der Rekordmeister nach Verlängerung. Drei Mal gewann Hoeneß den DFB-Pokal, zuletzt vor 20 Jahren. Seit neun Jahren ist er Manager von Hertha BSC, noch nie haben die Berliner den Pokal geholt. Am Sonntag spielt der Bundesligist beim Regionalligisten Darmstadt 98. „Wichtig ist, dieses Gefühl zu vermitteln, diesen Pokal auch wirklich mal in den Händen halten zu wollen“, sagt Hoeneß. Gerade jungen Spielern müsse dieser Siegeswille eingeimpft werden.

Jochem Ziegert hat dieses bereits ein Mal geschafft. Der 52-Jährige trainierte 1993 die Hertha-Amateure, die bis ins Pokalfinale einzogen. „Berlin, Berlin, wir bleiben in Berlin“, riefen die Fans nach den Siegen gegen den Titelverteidiger Hannover 96 oder den 1. FC Nürnberg. „Ich habe am eigenen Leibe gespürt, dass die Gegner uns unterschätzt haben“, sagt der heutige Kotrainer der zweiten Mannschaft. Wichtig sei, sich nicht hinten reinzustellen, sondern mitzuspielen. „Sonst verliert man 0:1 und ärgert sich umso mehr.“ Genau dies passierte im Finale. In Berlin waren die Spieler vorsichtiger und verloren gegen die Profis von Bayer Leverkusen. „Das schlimmste sportliche Erlebnis“ nennt heute noch Andreas Schmidt die Niederlage. Der Mittelfeldspieler war wie Torwart Christian Fiedler damals im Team. Beide setzten sich später bei den Profis durch. Andreas Schmidt spielt seit drei Jahren wieder vor allem bei der zweiten Mannschaft. Christian Fiedler ist Stammtorwart bei den Profis. Neuzugang Christian Gimenez wird am Sonntag der einzige Berliner auf dem Platz sein, der einen Pokalwettbewerb schon gewann, 2002 und 2003 mit dem FC Basel. Seine Mitspieler haben die Debakel im DFB-Pokal der vergangenen Jahre miterlebt.

Junge Spieler aus dem Regionalligateam wie Patrick Ebert werden in Darmstadt wohl nicht von Beginn an spielen. Herthas Trainer Falko Götz will die Bestbesetzung spielen lassen und niemanden schonen. „Wir sind ein gebranntes Kind gegen unterklassige Gegner“, sagt er. Holstein Kiel, Eintracht Braunschweig und FC St. Pauli: Drei Mal in den vergangenen vier Jahren schied Hertha BSC gegen eine Regionalligamannschaft aus. Das 1:6 bei Werder Bremen vor drei Jahren im Achtelfinale ist bei den Berlinern nicht unbedingt besser in Erinnerung geblieben.

„Wir denken von Spiel zu Spiel. Aber wir wollen im Pokal irgendwann mal was erreichen“, sagt Falko Götz. 1977 und 1979 unterlagen die Berliner erst im Endspiel. Aber seit 1985 das Endspiel ständig in Berlin stattfindet, hat Hertha BSC chronische Probleme mit dem Wettbewerb. Zwischen 1986 und 1998 scheiterten die Berliner sieben Mal in der ersten Runde, nur ein Mal kamen sie ins Achtelfinale. 1993 schieden die Hertha-Profis dort gegen die Leverkusener aus, die danach im Finale die Hertha-Amateure schlugen.

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