Sport : Irgendwas ist immer falsch

Stefan Hermanns

Für jedes komplizierte Problem gibt es eine einfache Lösung, das gilt auch im Fall des englischen Fußballmeisters FC Chelsea. Dessen Problem heißt im Moment: sechs Punkte Rückstand auf Manchester United. Die Lösung lautet: Michael Ballack. Chelsea hinkt seinen Ansprüchen deshalb hinterher, weil a) Ballack bekanntermaßen ein mittelmäßiger Fußballer ist und b) Chelseas Trainer José Mourinho, wie jeder weiß, keine Ahnung vom Fußball hat, weswegen er c) Ballack immer wieder spielen lässt, was d) angesichts dessen offenkundiger Mängel natürlich sportlicher Selbstmord ist.

Vor einem halben Jahr ist Michael Ballack nach London gezogen, und wenn er bis jetzt das Gefühl gehabt haben sollte, ihm fehle doch etwas in der neuen Heimat, weiß er jetzt, was das war: diese Debatte um seinen sportlichen Wert. Auch nach mehreren Umzügen ist ihm die Diskussion nicht verloren gegangen, zu den altbekannten Kritikern Rehhagel, Netzer und Beckenbauer haben sich nun offenbar auch seine Kollegen Drogba und Makelele gesellt. Dass Ballack ein überdurchschnittlicher Fußballer ist, müssen selbst seine Gegner irgendwie anerkennen; aber welche Fähigkeiten genau ihn über die Masse erheben, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es die Summe vieler Fähigkeiten, vielleicht muss man die Funktionsweise des Fußball wirklich verstehen, um Ballacks komplexes Spiel schätzen zu können. Und vielleicht ist es gerade deshalb kein Zufall, dass Mourinho, einer der klügsten Köpfe des Fußballs überhaupt, uneingeschränkt an ihm festhält.

Michael Ballack hat es seiner Umwelt nie recht machen können. Spielte er offensiv, wurde sein mangelnder Beitrag zur Defensive bekrittelt. Opferte er sich für die Defensive, vernachlässigte er seinen Offensivauftrag. Schoss er viele Tore, bereitete er zu wenige vor … Auf diese Weise hat Ballack die Erwartungen immer wieder enttäuscht. Aber könnte es nicht auch sein, dass das an den Erwartungen liegt?

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