Sport : Irgendwie logisch

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Christian Hönicke über die Gehaltseinbußen von Ronaldo & Co.

Bei schönem Wetter verhalten sich die meisten Menschen anders als sonst. Die Emotionen übernehmen die Kontrolle, die Logik setzt aus. Vielleicht haben deshalb in den südlichen Gefilden unseres Kontinents noch immer nicht alle begriffen, wie schlecht es um den Profi-Fußball bestellt ist. Da hatte doch unmittelbar nach der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea Inter Mailands Präsident Massimo Moratti angekündigt, das Jahresgehalt seines brasilianischen Stürmers Ronaldo von vier auf über sechs Millionen Euro anzuheben. Wie in Italien üblich, hat der Mann diese Ankündigung trotz aller finanziellen Probleme seines Vereins durchaus ernst gemeint.

Noch immer halten sich vor allem in Spanien und Italien gerade die Vereinspräsidenten an der Macht, die den Fans Jahr für Jahr noch teurere Stars präsentieren und sich in deren Glanz sonnen. In Madrid etwa hatte Reals neuer Präsident Florentino Pérez seinem hoch verschuldeten Klub ein hübsches Antrittsgeschenk gemacht: Luis Figo, den damals teuersten Fußballspieler der Welt. Woher das Geld dafür kommt, ist den Fans im Zweifelsfall egal, solange die Eintrittskarten bezahlbar bleiben.

Und doch gibt es auch jenseits der Alpen ein paar Leute, die den Ernst der Lage erkannt haben. Zum Beispiel Adriano Galliani, der neue Präsident der italienischen Fußball-Liga. Der hat jetzt die Spieler der fast durchweg vor dem Kollaps stehenden Serie-A-Vereine aufgefordert, Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen. Die Inter-Spieler Ronaldo, Christian Vieri und Alvaro Recoba, die zusammen rund 20 Millionen Euro pro Jahr kassieren, haben als Erste ihre Bereitschaft dazu signalisiert. Dabei sind es gar nicht die Superstars, die Ronaldos, Zidanes und Figos, die Vereine in der ganzen Welt in den Ruin treiben. Es sind die mittelmäßigen Spieler, deren im Windschatten der Besten sprunghaft gestiegene Gehälter in dramatischem Missverhältnis zu ihren Leistungen stehen. Die graue, unüberschaubare Masse der Durchschnittskicker reißt die wirklich großen Löcher in die Kassen der Klubs. Aber auch sie bekommen das viele Geld nur, weil die Vereine es ihnen anbieten.

Vielleicht ist das Zugeständnis von Vieri, Recoba und Ronaldo ein Zeichen an ihre Berufskollegen, vielleicht markiert es einen Wendepunkt im Bewusstsein aller Fußballprofis. Früher wechselten sie einfach zu einem anderen Klub, wenn der eigene kein Geld mehr hatte. Jetzt dämmert ihnen vielleicht, dass so etwas bald nicht mehr möglich ist. Wenn es nämlich keine Vereine mehr gibt, die ihre Gehälter bezahlen können. Das klingt so einfach und logisch, dass es auch Präsidenten wie Florentino Pérez oder Massimo Moratti verstehen müssten.

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