Sport : Irgendwie unentschieden

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Der Abend endete mit einer versöhnlichen Geste. Joachim Löw und Louis van Gaal liefen sich ungeplant noch einmal über den Weg. Sie nahmen einander in den Arm, hielten einen kurzen Plausch und traten damit erfolgreich dem Eindruck entgegen, dass ihr Verhältnis nach diversen Sticheleien zerrüttet ist. Joachim Löw kann nicht nur in dieser Hinsicht beruhigt Weihnachten feiern. Auch sonst steht dem Bundestrainer ein, verglichen mit der Aufregung der vergangenen Wochen, ruhiger Jahresabschluss bevor. Das Länderspieljahr 2012 endete für ihn ohne weitere Verwerfungen, die öffentliche Meinung ist nach dem 0:0 in Amsterdam fürs Erste befriedet.

Davon abgesehen war dieser Abend von Amsterdam wie das gesamte Länderspieljahr irgendwie unentschieden. Gemessen an den personellen Verwerfungen – neun potenzielle Stammspieler fehlten in Amsterdam –, fing es noch halbwegs gut an. Nach der Pause aber war die Darbietung der Deutschen nur noch schwer zu ertragen. Und so bleibt als letzter Eindruck eine gewisse Ungewissheit zurück. Die Nationalelf hat 2012 gezeigt, dass sie alle Möglichkeiten besitzt, nach oben wie nach unten. Sie hat höchste Höhen erklommen wie in der ersten Stunde gegen Schweden, aber auch tiefste Tiefen erreicht, wie in der letzten halben Stunde gegen Schweden und im EM-Halbfinale.

Diese Mannschaft und ihr Trainer suchen immer noch ihre Mitte. Am Mittwoch in Amsterdam sind sie ihr ein bisschen näher gekommen. Dass dieser Prozess zwingend zu Einbußen bei der Attraktivität des Spiels führt, sollten nur die bedauern, die das 4:4 gegen Schweden aus echter Überzeugung als Krönung des offensiven Fußballs gefeiert haben. Alle anderen haben es nicht anders gewollt noch besser verdient.

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