Irina Mikitenko : "Es ist die schwierigste Zeit in meinem Leben"

Der Tod ihres Vaters hat Irina Mikitenko aus der Bahn geworfen. Die Marathonläuferin spricht über den Schicksalsschlag und ihren WM-Verzicht.

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Irina Mikitenko, 36,gewann die letzten beiden London-Marathons. Die gebürtige Kasachin galt vor ihrer Absage als Mitfavoritin auf...Foto: dpa

Die derzeit schnellste Marathonläuferin hat ihren Start bei der WM in Berlin kurzfristig abgesagt. Am Tag ihres 37. Geburtstags hätte die Läuferin des TV Wattenscheid durchaus die Chance gehabt, ihre Karriere mit einer Goldmedaille zu krönen.

Frau Mikitenko, als Sie Ende Juni aus einem Höhentrainingslager aus St. Moritz zurückkehrten, waren Sie noch guter Dinge. Nun haben Sie Ihren Auftritt bei der WM abgesagt. Warum?

Ja, das erste Trainingslager in St. Moritz lief sehr gut, ich hatte Spaß am Laufen und war optimistisch. Aber dann musste mein Vater Anfang Juli mit einem akuten Lungenproblem ins Krankenhaus. Es ging ihm von Tag zu Tag schlechter, ich war jeden Tag bei ihm und nur mittags kurz zu Hause, um den Kindern Essen zu kochen. Es tat meinem Vater gut, dass ich bei ihm war, das habe ich gesehen – und mir tat es auch gut. Ich konnte schon damals nicht mehr richtig trainieren. Ich habe es morgens versucht, aber ich war so leer und kaputt. Es ging einfach nicht.

Sie gingen aber damals noch davon aus, dass Sie bei der WM starten würden.


Ich hoffte, dass es meinem Vater bald wieder besser gehen würde und ich dann wie geplant ins zweite Trainingslager nach St. Moritz fahren würde. Doch es ging ihm immer schlechter und er starb in der dritten Juli-Woche. Mein Vater war der wichtigste Mensch für mich. Ihm habe ich zu verdanken, dass wir 1996 aus Kasachstan überhaupt nach Deutschland gekommen sind. Dass er tot ist, kann ich immer noch nicht begreifen, er fehlt mir sehr. Es ist die schwierigste Zeit in meinem Leben.

Sie sind dann trotzdem noch einmal nach St. Moritz gefahren ...


Ja, ich war noch einmal neun Tage in St. Moritz mit meiner Familie und meiner Mutter. Ich habe alle anderen beim Training gesehen und bin auch selbst wie automatisch zum Laufen gegangen. Aber es macht keinen Sinn, ich fühle mich erschöpft und leer. Ich hatte mich sehr auf die WM gefreut und habe mich nach dem London-Marathon nur auf diesen Start vorbereitet. Aber die Familie ist für mich viel wichtiger als alles andere. Mein Vater war immer stolz auf mich … ich werde weiterlaufen.

Die Fragen stellte Jörg Wenig.

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