• Irritationen über RTL-Brief - Der Privatsender beklagt negative Kommentierung von ARD und ZDF beim alpinen Ski-Weltcup

Sport : Irritationen über RTL-Brief - Der Privatsender beklagt negative Kommentierung von ARD und ZDF beim alpinen Ski-Weltcup

Für Irritationen und Verstimmungen hat ein Brief des Kölner TV-Senders RTL an die öffentlich-rechtlichen Konkurrenten ARD und ZDF gesorgt. In dem Schreiben wird die Art und Weise der Berichterstattung über den alpinen Ski-Weltcup im letzten Winter als überwiegend negativ angeprangert und eine vorzeitige Auflösung des Vertrages über die Sub-Lizenz angeboten. "Das ist ein einmaliger Vorgang", sagte ARD-Programmdirektor Günter Struve am Rande einer Medientagung in Mainz. Als ungeheuerlich stufte der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, den RTL-Brief ein.

Das Papier war von dem RTL-Verantwortlichen für Sportrechte, Jörg Ullmann, unterzeichnet worden und hat anscheinend einen großen Verteiler. Neben der "SportA" als Rechteagentur der öffentlich-rechtlichen Sender soll sogar der Marketing-Direktor des Internationalen Ski-Verbandes (FIS), Christian Knauth, zu diesem Kreis gehören. ARD und ZDF haben für drei Jahre die alpinen Rechte von RTL übernommen, nachdem die Kölner das gesamte Ski-Paket vom Deutschen Ski-Verband (DSV) bis 2002 für 48,5 Millionen Mark gekauft hatten.

Als Initiator des Schreibens wird von vielen DSV-Generalsekretär Helmut Weinbuch vermutet. In einem Interview des eigenen Pressedienstes erklärte der DSV-Verantwortliche, die alpinen Damen seien in der Darstellung viel zu schlecht weggekommen. Vor allem die als Co-Kommentatoren eingesetzten ehemaligen Spitzenfahrer wie Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier, Armin Bittner und vor allem Christian Neureuther stießen auch im Athleten-Kreis auf Widerstand. Neureuther soll das TV als Plattform für verbandspolitische Ambitionen genutzt haben. Das habe mit objektiver Berichterstattung nichts mehr zu tun, meint Weinbuch.

Ein weiterer Streitpunkt war die nicht erfolgte Live-Übertragung des zweiten Laufes beim Frauen-Slalom von Berchtesgaden, die dem DSV einen großen Schaden beschert hätte. Ursprünglich war ein Nachtrennen um 20.45 Uhr vorgesehen. Die auf Grund von Fernseh-Wünschen mehrfach verschobene Startzeit wurde dann auf 17.00 Uhr festgelegt. Nach Aussage von ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann verhinderten redaktionelle Gründe eine terminlich mögliche Live-Einblendung.

Kurzfristige Auswirkungen wird der Brief wohl nicht haben. "Wir haben einen Vertrag, und wir haben ihn zu 100 Prozent erfüllt", meinte Poschmann, "es wäre ja noch schöner, wenn wir uns sagen lassen müssen, was wir inhaltlich machen müssen."

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