Sport : Irrungen und Wirrungen (Glosse)

epo.

Olympiasieger Andreas Wecker ist 29 Jahre alt und zählt seit rund einem Jahrzehnt zu den besten Turnern der Welt. Beim Streben nach nationalen und internationalen Titeln hat er seinen Weg erfolgreich gefunden. Ein rundherum reifer Sportsmann.

Sollte man angesichts seiner Meriten an Reck und Ringen meinen. Doch der ständige Umgang mit Salti, Kopfständen und Kreuzhängen korrespondiert bei dem Berliner in schöner Regelmäßigkeit mit verblüffenden Kehrtwendungen in seinem Umfeld. Die jüngste ist die Trennung nach 13jähriger Zusammenarbeit von seinem Trainer Lutz Landgraf. Vier Wochen vor den Weltmeisterschaften in China. Der Bundestrainer wird ihn bis dahin betreuen, zu Hause werde er allein sein Trainingspensum abarbeiten. Hintergründe sind nicht zu erfahren.

13 Jahre in einer oft konfliktreichen Trainer-Sportler-Beziehung - da hat man normalerweise Verständnis für einen Neubeginn. Wenn da nicht die Vorgeschichte des oft orientierungslos wirkenden Turnkobolds wäre: Ärger bei der Vertragsauflösung mit seinem Manager, Klubwechsel nach Köln, reumütige Rückkehr zum SC Berlin, Hausbau, Einzug mit Medienpräsentation, Auszug und Scheidung. Wecker hört auf, weil er von Angstzuständen bei gewagten Übungen geplagt wird. Wecker wechselt zu einer Profitour in den USA, nein, er tritt im Friedrichstadt-Palast auf. Dort hat er erst eine neue Liebe, dann eine neue Managerin gefunden. Es folgt der komplette Salto rückwärts: Wecker will zurück in die Nationalmannschaft und sich für Olympia in Sydney qualifizieren. Derzeitiger Stand: Wecker ist der Spitzenturner im deutschen Aufgebot.

"Irrungen und Wirrungen" schrieb Theodor Fontane - der Autor könnte auch Andreas Wecker heißen.

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