Sport : Irrungen, Wirrungen

Nach dem Urteil gegen Radprofi Danilo Hondo ist unklar: War es vorsätzliches Doping?

Hartmut Moheit

Berlin - Per Handy war Danilo Hondo gestern nicht zu erreichen. Selbst Hans- Michael Holczer wusste nicht „wann ich ihn erwische“. Gesprächsbedarf hatte es zwischen dem Cottbuser Radprofi und dem Chef des Teams Gerolsteiner einigen gegeben. Hondo war im März bei der Murcia-Rundfahrt in Spanien nach zwei Etappensiegen die Einnahme des Aufputschmittels Carphedon nachgewiesen worden, worauf ihn sein Rennstall Gerolsteiner am 31. März fristlos entlassen hatte. Seitdem beteuert der Sprinter seine Unschuld. Nachdem der Disziplinarausschuss des Schweizer Radsportverbandes in Bern den mit einer Schweizer Lizenz fahrenden Hondo am Donnerstag für ein Jahr bis Ende März 2006 gesperrt und ein zweites Jahr Sperre für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt hatte, begann gestern ein Verwirrspiel.

Steffen Blochwitz, der Hondo in sportlichen Fragen berät, verkündete bereits: „Wir gehen davon aus, dass Danilo ab April 2006 wieder für jedes Team fahren kann.“ Auch Hondo äußerte sich nach der dreistündigen Verhandlung über den Internetdienst „Radsport-News“ ähnlich zufrieden: „Es zeigt, dass wir die Zweifel an meiner Schuld darstellen konnten.“

Die alles entscheidende Frage ist, ob Hondo mit oder ohne Vorsatz gehandelt hatte. „Da muss die genaue Urteilsbegründung abgewartet werden“, sagt Hans-Michael Holczer. „Hondo ist in der Schweiz im Prinzip doch zu zwei Jahren verurteilt worden, auch wenn davon ein Jahr auf Bewährung ist.“ Dies wiederum würde bedeuten, dass ihn kein Team bis 2009 verpflichten dürfte. Darauf hatten sich im so genannten „Code of conduct“ nicht nur die Pro-Tour-Teams freiwillig geeinigt, sondern auch die der zweiten Kategorie. Damit wird ein Dopingsünder nach Ablauf der ersten Sperre für zwei weitere von keinem Team verpflichtet.

„Wenn aber die Bewährungszeit signalisieren sollte, dass dieser Vorsatz bei Hondo nicht besteht, dann bliebe es bei dem einen Jahr, das Hondo aussetzen muss“, erklärt Holczer. „Genau diese Bewertung, ob das Urteil von einem Vorsatz ausgeht oder nicht, muss endgültig mit dem Radsport-Weltverband UCI geklärt werden.“ Derzeit gibt es lediglich die Bewertung des Disziplinarausschuss-Vorsitzenden Gerhard Walther als vagen Hinweis: Man sei von der Regelstrafe abgewichen, weil man die berufliche Existenz eines 31-Jährigen nicht zerstören wollte. Aber es sei der Verteidigung nicht gelungen, die Unschuld Hondos zu belegen. Gegen das Urteil können sowohl Hondo als auch die UCI beim Internationalen Sportgerichtshof CAS als letzte Instanz Einspruch erheben.

Der in Ascona lebende Hondo hat nach einem „wochenlangen Albtraum“ inzwischen mit leichtem Training begonnen, berichtet Steffen Blochwitz. „Ich war zuletzt mehr der Seelentröster.“ Holczer schloss am Freitag eine Rückkehr des Lausitzers zu Gerolsteiner nicht grundsätzlich aus. „Entscheidend ist für uns, ob beim Vergehen eine Absicht unterstellt wird. Dies werden Fachleute nach der Vorlage des schriftlichen Urteils für Gerolsteiner prüfen. Wenn die Vorsätzlichkeit in Zweifel gezogen wird, können wir über die zweite Chance reden“, sagte Holczer. „Wir werden unsere klare Linie im Kampf gegen Doping nicht verlassen, nur um ein Zugpferd zurückzuholen.“

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