Sport : Irvine verlässt sich ganz auf Schumacher

Sebastian ArlT[R. Jarkowski],E. Dreher[R. Jarkowski]

Eddie Irvine spuckte wie üblich große Töne, WM-Rivale Mika Häkkinen kniff vor dem ersten Rede-Duell, und Mercedes-Mann Norbert Haug will keine Betrugsvorwürfe gegen den italienischen Konkurrenten schüren. Doch für den Coup sorgte fünf Tage vor dem mit Spannung erwarteten Weltmeisterschafts-Finale in Suzuka Formel-1-Besitzer Bernie Ecclestone. Der Brite nutzte die Hochkonjunktur seines Rennzirkus und wird bis zu 50 Prozent seines Unternehmens an die Deutsche Bank verkaufen. Dies teilte das Unternehmen in London mit. Der Gesamtwert des Ecclestone-Imperiums beläuft sich auf 2,6 Milliarden Dollar (4,75 Milliarden Mark). Nach einem Bericht der "Financial Times" hat die Formel-1-Holding von Ecclestone eine erste Tranche von 12,5 Prozent bereits für 325 Millionen Dollar (594,75 Millionen Mark) an die Investmentbank Morgan Grenfell Private Equity (MGPE), eine Tochter der Deutschen Bank, verkauft. Darüber hinaus gebe es eine Option für weitere 37,5 Prozent. Der 67-jährige Ecclestone wolle eine breite Basis von institutionellen Anlegern für sein Unternehmen gewinnen, bevor er sich aus dem Formel-1-Geschäft zurückziehe.

Titelverteidiger Häkkinen drückte sich vor dem Showdown in Suzuka um den verbalen Schlagabtausch mit seinem vor der letzten Runde nach Punkten führenden Herausforderer. Die Absage des 31-jährigen Finnen platzte in Tokio mitten in eine PR-Veranstaltung eines Reifenherstellers. Während sich Irvine, Heinz-Harald Frentzen und weitere Piloten der Presse stellten, entschuldigte McLaren-Teamchef Ron Dennis seinen Weltmeister per Fax. Gleich der erste Satz der Depesche barg Ironie: "Mika Häkkinen ist derzeit auf dem Höhepunkt seiner körperlichen und mentalen Fitness." Dennis begründete das Fernbleiben damit, dass Häkkinens volle Konzentration dem Gewinn des Titels gelte. "Um diese Ziele zu erreichen, haben wir die Entscheidung getroffen, ihn zurück zu beordern."

Eddie Irvine rutschte unterdessen auf einem Barhocker hin und her. Mit viel Selbstvertrauen und der Schützenhilfe seines Teamkollegen Michael Schumacher will der Ferrari-Pilot in Suzuka erstmals Weltmeister werden. "Wenn Michael in Suzuka gewinnt, reicht mir ja ein vierter Platz zum Titel. Solch eine Taktik wäre eine gute Idee", erklärte der Brite die finale WM-Arithmetik. Der 33-Jährige führt vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag die Fahrerwertung mit 70 Punkten vor Häkkinen (66) an. Lässig gekleidet, hatte sich Irvine zuvor in Tokio etwa 500 bis 600 japanischen Fans, darunter viele Frauen, bei bester Laune präsentiert und ihnen zugerufen: "Ich will gewinnen." Wie schon am 17. Oktober in Malaysia rechnet der WM-Kandidat auch auf der "Achterbahn" von Suzuka mit Schumachers Schützenhilfe. Zudem überlässt Ferrari angesichts der historischen Chance, 20 Jahre nach Jody Scheckter wieder erstmals den Fahrer-Weltmeister zu stellen, nichts dem Zufall. Test-Pilot Luca Badoer erprobte bei einem überraschend angesetzten Test in Fiorano Bremsen, aerodynamische Teile und Rad-Aufhängungen.

Unterdessen schlugen in Deutschland wilde Spekulationen Wellen, Ferrari habe beim Großen Preis von Malaysia illegalerweise eine Traktionskontrolle mit Wissen und Duldung anderer Teams eingesetzt. "Ich will in keiner Weise Betrugsvorwürfe in Richtung Ferrari schüren", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug dazu. "Wir haben nichts genehmigt." Er betonte, sich an Spekulationen nicht beteiligen zu wollen, meinte aber auch: "Ich kann nur empfehlen: auf die Rennstrecke rausgehen und zuhören." Haug betonte, er hoffe, dass der Internationale Automobil-Verband Fia die Einhaltung des Reglements absolut überwache.

Michael Schumacher muss nach seiner Langzeit-Pause zwar den Titel abschreiben, steht aber vor einem neuen Millionen-Deal. Sein Manager Willi Weber erklärte, in der nächsten Woche werde die Partnerschaft mit einem neuen Sponsor aus dem Bankbereich bekannt gegeben. Nach dem Rückzug des technischen Überwachungsvereins Dekra nach dieser Saison ist der begehrte Platz auf der Mütze des zweifachen Weltmeisters frei.

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