Sport : Isländische Heimspiele in Magdeburg

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Magdeburg - „Hey Fussi“, tönte es durch die noch nicht voll besetzte Bördelandhalle und dann etwas leiser: „Lass dich umarmen.“ Der derart leidenschaftlich begrüßte Handballer aus Island ließ sich nicht lange bitte. „Ich bin hier eben immer noch zu Hause“, sagte Sigfus Sigurdsson knapp anderthalb Stunden später, als er auf diese Freundlichkeit, der noch etliche andere folgen sollten, angesprochen wurde. Wer einmal für den SC Magdeburg in der Bundesliga gespielt hat, den vergessen die Fans nicht – die ganze Stadt liebt ihre Handballer über alles. Es ist kaum Zufall, dass aus dem Bereich der neuen Bundesländer nur die Stadt an der Börde WM-Spiele bekommen hat.

Sigurdsson ist vor dieser Saison nach Spanien zu Ademar Leon gewechselt, seitdem war er nicht mehr in Magdeburg. So ist es für ihn ein „großes Glück, in der WM-Vorrunde hier spielen zu können“. Dass Island praktisch Heimspiele in Magdeburg genießen kann, liegt aber nicht allein an Sigurdsson. Gleich vier Isländer waren in dieser Stadt als Profis sehr erfolgreich. So wurden auch Olafur Stefansson (Ciudad Real), Arnor Atlason (FC Kopenhagen) und der ehemalige Trainer Alfred Gislason (Gummersbach) frenetisch bejubelt. „Wir sind wirklich gerührt“, sagte Gislason daraufhin über die Stimmung in seinem Team. Vor allem Stefansson trauern die Magdeburger nach. „Ich bin unheimlich froh, wieder hier zu sein“, sagte er den Fans in der Halle per Mikrofon. „Ich bin zwar etwas an der Schulter verletzt, aber es geht schon“, sagte er später.

Zu dem 45:20-Erfolg gegen Außenseiter Australien gab es nicht viel zu sagen. „Jetzt habe ich noch Gelegenheit, ein paar alte Bekannte zu treffen, aber damit ist es auch ganz schnell wieder vorbei“, sagte Sigurdsson. In der Tat, es könnte bald vorbeisein, aber anders, als Sigurdsson sich das vorgestellt hatte. Denn gestern Abend verlor Island in Magdeburg überraschend 29:32 gegen die Ukraine. Island zog nach zwölf Minuten erstmals mit zwei Toren davon (7:5) und auch zur Halbzeit führte Gislasons Team noch knapp (13:12). Doch dann leistete sich Island trotz aller Anfeuerung viele einfache Fehler.

Nun kommt erschwerend hinzu: Am heutigen Montag, wenn Island in der Bördelandhalle zum alles entscheidenden Spiel auf Europameister Frankreich trifft, wird die Sympathie der Zuschauer nicht mehr eindeutig verteilt sein. Das liegt an Joel Abati. Jahrelang war er der Publikumsliebling in Magdeburg, und obwohl er nach der Saison nach Frankreich zurückkehren wird, wird er nicht weniger gefeiert als das isländische Quartett. Nach einem Tor rufen die Zuschauer wie in der Bundesliga mit dem Hallensprecher seinen Namen: „Jooooeeeel Aaaabati“. Magdeburg liebt seine Handballer über alles.heit/dpa

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