Israelische Tennisprofis : Dubai denkt um - langsam

Im Gegensatz zu seiner Landsmännin Shahar Peer erhält der israelische Tennisprofi Andy Ram nun ein Einreisevisum, um am Turnier in Dubai teilzunehmen.

Petra Philippsen
TENNIS-ATP-UAE-ISR-RAM
Arbeitserlaubnis für Dubai. Doppelspezalist Andy Ram darf dort nächste Woche starten.Foto: AFP

Wie brisant die Lage im Profitennis derzeit ist, zeigt sich allein daran, dass Roger Federer unlautere Motive unterstellt werden. Der Schweizer Weltranglistenzweite hatte seine Teilnahme am Turnier in Dubai kurzfristig abgesagt, aufgrund von Rückenschmerzen, die ihn eigentlich im November zuletzt plagten. Dass Federer auf eine seiner Lieblingsveranstaltungen der Saison verzichtet, zudem ein Gasteinwohner Dubais und Präsident der Spielervereinigung ATP ist, ließ öffentlich Zweifel an den Gründen seiner Absage aufkommen. Wollte Federer vermeiden, zur Visaverweigerung der Vereinigten Arabischen Emirate für Shahar Peer und Stellung beziehen zu müssen?

Gaza-Krieg und Sicherheitsbedenken

Federers Umfeld wies die Vorwürfe zurück, der 27-Jährige brauche die Auszeit zur Regeneration. Dennoch ist auch Federer nicht entgangen, dass sich das Profitennis in einer Ausnahmesituation befindet. In bisher nicht da gewesener Form vermischen sich Sport und Politik. Der Israelin Peer war die Einreise nach Dubai und damit auch die Teilnahme am Turnier verweigert worden, begründet wurde dies mit dem Gaza-Krieg und Sicherheitsbedenken.

Die öffentliche Diskussion und Kritik scheint bei den Behörden immerhin langsam ein Umdenken zu erzwingen. Gestern gab die ATP bekannt, dass Peers Landsmann, der Doppelspezialist Andy Ram, ein Visum bekommt und kommende Woche in Dubai an den Start gehen kann. „Ich lebe dafür, bei den besten Turnieren der Welt anzutreten, das wird kommende Woche nicht anders sein“, sagte Ram. Sein Augenmerk gelte nun wieder ganz dem Sport.

ATP-Präsident Adam Helfant meinte, die Regierung habe „die richtige Entscheidung getroffen. Keinem Spieler, der qualifiziert ist für ein ATP-Turnier, sollte aus ethnischen, nationalen oder religiösen Gründen die Teilnahme verweigert werden. Wir sind froh, dass es in Dubai genauso gesehen wird.“ Peer begrüßte die Entscheidung am Abend als „Sieg für das Prinzip der Gleichheit und den gesamten Sport“. Ihr Ausschluss habe sie hart getroffen, dennoch freue sie sich auf einen Auftritt in Dubai im kommenden Jahr.

Die Hauptsponsoren bleiben

In Peers Fall hatte die Spielervereinigung der Frauen (WTA) nicht allzu offensiv Stellung bezogen. WTA-Chef Larry Scott beließ es dabei, seine „tiefe Enttäuschung“ zu bekunden und Peer zu versichern, sie werde noch „angemessen entschädigt“. Zudem würde man sich „geeignete Maßnahmen“ überlegen, wie künftig mit dem Turnier verfahren würde, das seit 20 Jahren im Kalender steht. Aber vielleicht haben diese Sätze, die vieles offen ließen, ja gereicht, um zu einem Umdenken in Dubai zu führen.

Kein Gedanke an einen Boykott

Das „Wall Street Journal Europa“ zog sich als einer der Sponsoren zurück und der übertragende TV-Sender „Tennis Channel“ sagte dem Veranstalter ab, doch die Hauptsponsoren stehen weiter zur Verfügung. Venus Williams, Mitglied im WTA-Spielerrat, erklärte sich solidarisch mit Peer – doch dass die Spielerinnen das Turnier gemeinsam boykottieren, wurde nicht erwogen. So weit geht die Solidarität dann doch nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben