Sport : Ist Rehhagel reif für die Klapsmühle? (Glosse)

Helmut Schümann

Gott, nein, was gäbs nicht alles für schöne Beschäftigungen im Alter. Den Enkeln die Eisenbahn aufbauen, zum Beispiel. Oder nach Teneriffa fliegen und dort mit Kollege Erich Ribbeck Golf spielen. Auch schön, wenn man mit Walter Jens, dem rhetorisch beschlagensten Fußballfan hierzulande, "am Sylter Strand die Seele baumeln lassen kann". Letzteres hat Otto Rehhagel auf der Suche nach den tiefen Weisheiten nach eigenem Bekunden immer besonders gerne gemacht. Anlässlich eines solchen Spazierganges ist er einmal zur Erkenntnis gekommen, dass, wer mit 60 noch auf der Trainerbank sitze, reif für die Klapsmühle sei. Nun, Rehhagel, Coach des 1. FC Kaiserslautern und in der Nabelschau der weitgereistete, belesenste, weiseste Mensch des Planeten, ist 61, demnach überfällig, weil schon seit einem Jahr nicht mehr zurechnungsfähig. (Wie das in den Jahren davor war, darüber gibt es die unterschiedlichsten Aussagen). Wäre schön für den Fußball im Allgemeinen, die Zuschauer im Besonderen, wenn er sich an seine Erkenntnis erinnern würde.

Aber leider setzt im Alter ja auch schon mal das Gedächtnis aus. Und so hat Rehhagel gerade bekannt gegeben, er werde noch im Geschäft wirken, bis er 71 ist. Gute Güte, zehn Jahre noch, das ist verdammt lang. Ob er muss? Zahlen die denn in der Pfalz so wenig, dass ein Vorruhestand nicht möglich ist? Ist denn niemand da, der die großen Verdienste des Mannes um den Sport, die deutsche Sprache, die Philosophie, Literatur, Musik und Wissenschaften jeglicher Sparte entsprechend würdigt und ihm einen Schaukelstuhl nebst Eisenbahn schenkt? Nicht nur die Enkel würds freuen.

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