Sport : Istaf: 50 Kilogramm Gold unter Flutlicht

Jörg Wenig

Der Anteil von Marion Jones am Jackpot der Golden League ist größer geworden, obwohl die US-Amerikanerin gar nicht am Start war. Während des Istaf weilte sie bereits am anderen Ende der Welt in Brisbane bei den Goodwill Games. Nach dem Finale der Golden-League-Serie im Rahmen des Istaf im Olympiastadion vor gut 30 000 Zuschauern teilen sich nun sechs Athleten den Jackpot. Jones hatte nach ihrem fünften 100-m-Sieg eine Woche zuvor in Brüssel auf den Start in Berlin verzichtet. Sie teilt sich nun mit Violeta Szekely (Rumänien/1500 m), die ebenfalls bereits vorher als Seriensiegerin festgestanden hatte, Allen Johnson (USA/110 m Hürden), Hicham El Guerrouj (Marokko/2000 m), Olga Jegorowa (Russland/5000 m) und André Bucher (Schweiz/800 m) den mit 50 Kilogramm Gold gefüllten Jackpot. Das sind etwa eine Million Mark. Nur Stephanie Graf (Österreich/800 m) fiel noch heraus, weil sie über 800 m nur Dritte wurde.

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Die schönsten Bilder der Leichtathletik-WM Manches war hochklassig, manches nicht bei diesem 60. Istaf. Das beste Resultat des Abends kam ausgerechnet von Olga Jegoworo, die über 5000 m den vor drei Jahren von Gabriela Szabo (Rumänien) in Berlin aufgestellten Europarekord auf 14:29,32 Minuten verbesserte. Ausgerechnet Jegorowa, weil die Russin im Vorfeld der WM positiv auf das Dopingmittel Epo getestet worden war. Aufgrund eines Fehlers im Kontrolllabor konnte Jegorowa jedoch nicht gesperrt werden. Nur um etwas mehr als eine Sekunde verfehlte die Russin den Weltrekord der Chinesin Jiang Bo.

Das Rekordvorhaben von Hicham El Guerrouj scheiterte dagegen frühzeitig. "Ich war nicht frisch genug, und es war zu kalt", erklärte der Marokkaner, warum er das Weltrekordtempo der "Hasen" im 2000-m-Rennen nicht mitging. Während El Guerrouj in 4:51,17 Minuten deutlich an seiner Bestzeit (4:44,79) vorbei lief, fiel unbemerkt vom Stadionsprecher ein anderer Weltrekord: Der Kenianer Isaac Songok lief als Sechster in 4:56,86 Junioren-Weltrekord. Über 110 m Hürden stellte Allen Johnson (USA) mit 13,04 Sekunden seine Jahresweltbestleistung ein.

Als einzige Athletin unter den Jackpot-Siegern blieb Violeta Szekely bei allen sieben Golden-League-Meetings ungeschlagen. Die rumänische Vize-Weltmeisterin über 1500 m, die in Edmonton gegen ihre Landsfrau Gabriela Szabo verloren hatte, war im Spurt nicht zu schlagen und gewann in 4:00,80 Minuten. Nur um 56 Hundertstel verpasste sie damit den 13 Jahre alten Istaf-Rekord ihrer Landsfrau Paula Ivan.

Für den ersten deutschen Sieg des Abends hatte Lars Riedel (Chemnitz) gesorgt. Dem Diskuswerfer, der in Edmonton zum fünften Mal Weltmeister geworden war und gestern Abend zu den gefeierten Athleten gehörte, reichten im Olympiastadion 65,86 m zum Sieg. Sein schärfster internationaler Konkurrent, Virgilijus Alekna (Litauen), der Silbermedaillengewinner der WM und Jahresweltbeste mit 70,99 m, fehlte gestern. "Beim Einwerfen hatte ich ein gutes Gefühl, aber im Wettbewerb habe ich keinen Wurf so richtig herausgebracht", sagte Lars Riedel. Sein langjähriger nationaler Rivale, der Weltrekordler und Olympiasieger Jürgen Schult (Schwerin), wurde beim letzten Wettkampf seiner Karriere mit 62,05 m Vierter. Für einen weiteren deutschen Erfolg sorgte auch Grit Breuer (SC Magdeburg) über 400 m in 50,78 Sekunden. Nils Schumann (LG Nike Berlin) konnte dagegen als Sechster über 800 m den Jackpot-Gewinner André Bucher (Schweiz/1:43,82 Minuten) nicht gefährden.

Doch es war nicht alles Gold beim Golden-League-Finale. Zwölf Weltmeister von Edmonton, darunter drei Staffelläufer, waren am Start. In früheren Jahren hatte es andere Dimensionen gegeben. 1992 waren 25 Olympiasieger in Berlin am Start, ein Jahr später sogar 27 Weltmeister von Stuttgart. Doch auch die Pleite des Vermarkters ISL hinterließ ihre Spuren. Der Etat war im Vergleich zum Vorjahr von über vier Millionen Mark auf zumindest 3,4 Millionen Mark geschrumpft.

So waren auch die 100-m-Rennen nicht gerade repräsentativ besetzt, gemessen daran, dass es sich um ein Golden-League-Finale handelte. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren war nach einer Weltmeisterschaft beziehungsweise nach Olympischen Spielen kein aktueller 100-m-Medaillengewinner beim Istaf am Start. Und auch bei den Frauen fehlten nach den Ausfällen von Marion Jones, Schanna Pintusewitsch-Block (Ukraine) sowie der Griechin Ekaterina Thanou, die kurzfristig abgesagt hatte, die Medaillengewinner von Edmonton.

Während dies bei den Frauen auch deutlich an den Leistungen ablesbar war - Siegerin Myriam Leoni Mani aus Kamerun lief 11,13 Sekunden -, gab es bei den Männern trotzdem gute Ergebnisse. In einem Rennen ohne einen einzigen US-Amerikaner siegte nach zwei Fehlstarts Francis Obikwelu aus Nigeria in erstklassigen 9,98 Sekunden bei einem leichten Rückenwind von 0,6 Metern pro Sekunde. Der 22-Jährige hatte bei der Weltmeisterschaft 1999 über 200 m Bronze gewonnen und verfehlte nun seine 100-m-Bestzeit nur um eine Hundertstelsekunde. In Edmonton war er nicht am Start, dafür hofft er aber, im nächsten Jahr bei den Europameisterschaften in München dabei zu sein. Obikwelu hat die portugiesische Staatsbürgerschaft beantragt. "Ich war sehr zufrieden mit meinen letzten 30 Metern und denke, dass ich mich in Zukunft noch deutlich verbessern kann", sagte Obikwelu.

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