Istaf : Das Berliner Olympiastadion bleibt Robert Hartings Revier

Diskurswerfer Robert Harting holt im Berliner Olympiastadion mit einer Weite von 67,22 Metern einen von drei deutschen Siegen beim diesjährigen Istaf.

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Dem zweifache Weltmeister Robert Harting gelang gleich bei seinem ersten Versuch der weiteste Wurf des ganzen Diskuswettbewerbs.
Dem zweifache Weltmeister Robert Harting gelang gleich bei seinem ersten Versuch der weiteste Wurf des ganzen Diskuswettbewerbs.Foto: dpa

Vor dem Wettkampf ließ Robert Harting seine Hand steil in die Luft fliegen, als wolle er ankündigen, was gleich mit dem Diskus passieren wird. In seinem ersten Versuch zeigte Harting dann, was genau er gemeint hatte: Die Scheibe schickte er auf eine lange Reise über den Rasen des Olympiastadions. Wo sie landete, war noch dünn die äußere Markierung des Anstoßkreises für die Fußballer zu erkennen. So stellt sich ein Weltmeister in seiner eigenen Stadt vor.

Hartings erster Versuch war zugleich sein bester – und der weiteste des ganzen Diskuswettbewerbs vor etwa 40.000 Zuschauern beim Internationalen Stadionfest der Leichtathleten Istaf. Seine 67,22 Meter konnte keiner überbieten, auch nicht die Olympiasieger Gerd Kanter aus Estland (66,16 Meter) und Virgilius Alekna aus Litauen (65,08 Meter). Nicht nur durch Weite demonstrierte der zweifache Weltmeister Harting, dass das Berliner Olympiastadion sein Revier ist. Nach dem ersten Wurf tanzte er wie ein Berliner Clubbesucher aus dem Ring, zwischen seinen Würfen dröhnte ein eigenes Lied für ihn aus den Boxen mit der einprägsamen Refrainzeile „Robert Harting“ und vor dem letzten Wurf lief über die Anzeigetafel Werbung für seine Internetseite. Nur auf dem Siegerpodest war Harting nicht der größte, das WM-Maskottchen Berlino hatte sich noch neben ihn geschoben.

Hartings Erfolg war sein 18. in Folge und einer von insgesamt drei deutschen Siegen beim Istaf. Auch Silke Spiegelburg lief nach ihrem Wettbewerb mit der Deutschlandfahne um den Hals durchs Stadion. Die Stabhochspringerin aus Leverkusen hatte als einzige 4,71 Meter gemeistert. Sie konnte auch nicht von der neuen deutschen Rekordhalterin Martina Strutz aus Hagenow übertrumpft werden, die sich nach zwei gerissenen Sprüngen über 4,66 Meter ihren letzten Versuch bis zum Schluss aufgehoben hatte, aber dann als letzte Springerin an 4,86 scheiterte und auf Platz fünf landete. Der dritte deutsche Erfolg gelang Betty Heidler.

Für die meisten Leichtathleten war es auch der letzte Höhepunkt der Saison, einer Saison mit vielen Überraschungen. Etwa dem Weltmeistertitel im Kugelstoßen des 21 Jahre alten Chemnitzers David Storl. In Berlin fehlte ihm die letzte Kraft für einen weiteren Sieg, mit 20,64 Meter landete er auf Platz fünf. Es gewann der US-Amerikaner Ryan Whiting mit 21,61 Meter, der größten Weite, die bisher jemand beim Istaf gestoßen hat.

Die Offenburger Speerwerferin Christina Obergföll hat ebenfalls viel erlebt in dieser Saison, große Freude, vor allem über den Gewinn der Diamonds League, und größte Enttäuschung über Rang vier der WM in Daegu. Beim Istaf kam noch einfache Zufriedenheit dazu. Über den zweiten Platz hinter der Tschechin Barbora Spotakova. 64,95 Meter warf Obergföll, 67,14 Meter Spotakova. „Ich war ein bisschen müde und habe beim Einwerfen noch gedacht: Ach du meine Güte. Aber am Ende habe ich mich ganz gut aus der Affäre gezogen.“ Drei Tage zuvor beim Meeting in Zürich war ihr der Sieg mit 69,57 Meter gelungen, eine kraftvolle Verarbeitung ihres WM-Resultats.

Mit großen Erwartungen war sie nach Südkorea gefahren, doch die anderen schüchterten sie gleich mit gewaltigen Würfen ein, und am Ende reichte es nicht zu einer Medaille. „Zwei Tage am Stück habe ich geheult. Den Höhepunkt der Saison habe ich einfach versaut“, sagt sie jetzt. An ihrer körperlichen Verfassung habe es nicht gelegen, „wenn überhaupt, dann an der Psyche“ und vielleicht brauche sie einfach jemanden, der ihr in der entscheidenden Situation sage: „Du bist die Beste, nicht die anderen.“

Als bester Sprinter der Welt darf sich qua Titel der Jamaikaner Yohan Blake fühlen, seitdem er in Daegu Weltmeister geworden ist. Nur ob er sich auch so fühlt, darf bezweifelt werden, weil er den Sieg auch dem Fehlstart des Weltrekordhalters Usain Bolt zu verdanken hat. Immerhin zeigte Blake beim Istaf, dass er mindestens der schnellste Verfolger Bolts ist, denn mit 9,82 Sekunden stellte er einen neuen Meeting-Rekord auf. In der Istaf-Rangliste hat Blake damit klangvolle Namen wie Maurice Greene, Asafa Powell und Tyson Gay hinter sich gelassen.

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