Istaf : Geld und andere Hürden

Die Probleme beim Zusammenstellen des Istaf-Felds. Dabei geht es nicht nur um das Geld allein.

Frank Bachner

Berlin - Die Brustmuskelzerrung ist ziemlich heftig, Asafa Powell verzichtet bis Ende Juni auf alle Starts. Er verzichtet damit auch aufs Istaf, das größte deutsche Leichtathletik-Meeting, das am Sonntag in Berlin stattfindet. Gerhard Janetzky, der Meeting-Direktor, hätte ihn gerne gehabt. Powell, der 100-Meter-Weltrekordler aus Jamaika, wäre eine Zugnummer gewesen. Aber dann kam halt diese Verletzung im April, da musste Janetzky die Verhandlung mit Powells Manager abbrechen. Andererseits spart er so viel Geld: Powell wäre der teuerste Athlet des Meetings geworden. Sein Marktwert dürfte bei 80 000 bis 100 000 Dollar liegen.

Aber da gibt es ja noch Derrick Atkins und Michael Frater (beide Bahamas) oder Ivory Williams (USA), Sprinter, die in dieser Saison auch schon 10,07 oder 10,08 Sekunden gelaufen sind. „Das Feld der 100-Meter-Läufer ist der teuerste Einzelposten beim Istaf“, sagt Janetzky. Deshalb hat er Tyson Gay erst gar nicht angesprochen. Der dreifache Weltmeister aus den USA ist derzeit neben Powell der spektakulärste Sprinter. Ein Duell der beiden „kostet einen höheren sechsstelligen Betrag“, sagt der Istaf-Chef. Er hat einen Gesamtetat von 2,5 Millionen, so einen Zweikampf könnte er nur mit Zusatzsponsoren finanzieren.

Startfelder für ein Golden-League-Meeting wie das Istaf zusammenzustellen, ist eine diffizile Sache. Das merkt Janetzky jedes Mal. Der wichtigste Punkt ist natürlich das Geld, aber es ist nicht der einzige. Sanya Richards, die gebürtige Jamaikanerin und Welt-Leichtathletin von 2006, hätte er gerne für die 400 Meter gehabt. Aber die Vizeweltmeisterin von 2005 hat seit 2002 auch einen US-Pass, und sie möchte unbedingt zu den Olympischen Spielen. Dafür muss sie bei der US-Olympiaqualifikation unter die ersten drei kommen. Die Trials beginnen am 27. Juni, und vorher wird Richards nicht nach Europa fliegen. 2007 war sie kurz nach den Trials in Europa gelaufen, prompt verpasste sie die Qualifikation für eine Einzelstrecke bei der WM. So eine Pleite möchte sie in einem Olympiajahr vermeiden.

Blanka Vlasic wird starten, die Kroatin beherrscht derzeit den Hochsprung der Frauen. Die Weltmeisterin von 2007 ist Teil eines Pakets. Es ist ganz einfach: Ein Manager, der einen Topstar vertritt, sagt: Du bekommst meinen Topstar nur, wenn du auch mehrere meiner Athleten aus der zweiten Reihe verpflichtest.

Manchmal muss Gerhard Janetzky aber wohl auch Athleten streichen, weil denen die Konkurrenz zu stark ist. Weitspringer Nils Winter startet lieber in Genf als in Berlin. Der deutsche Hallenmeister von 2007 muss noch die Olympianorm erreichen, beim Istaf würde er wohl schon nach drei Sprüngen, im Vorkampf, ausscheiden. In Genf, bei schwächeren Gegnern, kommt er voraussichtlich auf sechs Versuche. Doch zu Winter sagt Janetzky nichts.

Aber ihm ist sowieso wichtiger, dass Irving Saladino springen wird. Der Weltmeister von 2007 aus Panama ist in dieser Saison schon 8,73 Meter gesprungen, so weit ist seit 14 Jahren niemand mehr gekommen.

Und Gerhard Janetzky hätte ihn fürs Timing dieses Riesensprungs küssen können: Irving Saladino glänzte genau sieben Tage vor dem Istaf.

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