Sport : Istaf: Kein Drama, oder doch?

Frank Bachner

Heike Drechsler ist wichtig, Nils Schumann ist auch wichtig. Sie haben Olympia-Gold gewonnen vergangenes Jahr in Sydney, Drechsler im Weitsprung, Schumann über 800 m. Stéphane Franke will sie beide: "Mir liegt sehr viel daran, sie beim Istaf zu präsentieren, weil sie deutsche Olympiasieger sind." Und weil ihr Auftritt auch ein bisschen zeigt, dass Franke, der neue Meeting-Direktor des größten deutschen Leichtathletik-Sportfestes, sein Handwerk beherrscht. Er muss Athleten verpflichten, möglichst zugkräftige. Schließlich benötigt das Istaf am 31. August rund 40 000 Zuschauer, sonst wird das Image des Wettbewerbs, das von Größen wie Carl Lewis, Edwin Moses oder Sergej Bubka geprägt wurde, arg beschädigt.

Zugkräftige Namen? Weltstars ködern mit viel Geld? Oberflächlich gesehen kein Problem. "Der Etat des Istaf 2001 wird gegenüber dem Budget des vergangenen Jahres um sechs Prozent reduziert", sagte Jürgen Demmel, der neue Geschäftsführer der Istaf GmbH gestern auf einer Pressekonferenz. Damit läge das Budget 2001 bei 3,9 Millionen Mark. "Ob wir mit fünf Prozent mehr oder weniger als 2000 antreten ist so dramatisch nicht", sagt Demmel aber auch.

Kein Wort von den finanziellen Problemen. Die Istaf-GmbH hat rund 500 000 Mark Schulden, und vieles spricht dafür, dass in diesem Jahr diese Zahl nicht abgebaut wird. Gut möglich, dass sie sogar noch steigt. Denn noch ist völlig unklar, ob die GmbH dem entlassenen Geschäftsführer Michael John eine teure Abfindung zahlen muss; im schlimmsten Fall 300 000 Mark. Der Prozesstermin steht noch aus.

Außerdem müssen jetzt drei neue Führungspersonen der GmbH bezahlt werden: Klaus-Peter Nowack (Organisation), Stéphane Franke (Meetingdirektor) und Elmar Lindemann (Marketing). Und Mediendirektor Christian Fürstenwerth steht, wie bislang, auch noch auf der Honorarliste. Die Summen lassen sich bezahlen, wenn dafür Johns bisheriges Gehalt sowie das Honorar, das Ex-Meetingdirektor Rudi Thiel erhielt, verwendet wird. Aber dann kommt noch der Stundensatz von Demmel dazu (rund 250 Mark). Und der Geschäftsführer wird immer teurer. Der Arbeitsanfall ist so hoch, dass Demmel erheblich mehr Stunden in Rechnung stellt als ursprünglich geplant.

Seit 1. Januar fallen aber auch noch 400 000 Mark vom Istaf-Vermarkter ISL weg. So viel zahlte ISL bislang jährlich für die nationalen Fernsehrechte. Doch der Vertrag lief aus, und für einen neuen TV-Vertrag, egal wer ihn aushandelt, gibt es mit Sicherheit weniger Geld. 2001 zahlt ISL nur 1,6 Millionen Mark. Und in dieser Gesamtrechnung ist die mögliche John-Abfindung noch nicht berücksichtigt.

Der Meetingdirektor Franke dürfte diese Zahlen kaum gekannt haben. Aber er lag ganz offenkundig nicht falsch, als er mitteilte: "Wir müssen den Gürtel enger schnallen." Das hat er schon beim Programm getan. 14 Disziplinen muss das Istaf anbieten, das verlangt der Golden-League-Vertrag. Aber derzeit hat Franke nur zwei zusätzlicher Disziplinen eingerückt. Und so wenige waren es seit Jahren nicht mehr.

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