Istaf : Lebedewa knackt Millionen-Jackpot

Tatjana Lebedewa hat zum Abschluss der Golden-League-Serie der Leichtathleten beim Istaf in Berlin den Dreisprung gewonnen. Die Russin knackte damit den Jackpot und ist nun um eine Million US-Dollar reicher.

Berlin (04.09.2005, 17:40 Uhr) - Die 29-jährige Athen-Olympiasiegerin im Weitsprung gewann zum Abschluss der Golden-League-Serie auch beim 64. Internationalen Stadionfest (Istaf) der Leichtathleten am Sonntag im Berliner Olympia-Stadion mit 14,85 Meter. Damit war die die zweifache Weltmeisterin wie gefordert bei allen sechs Meetings erfolgreich und ist nach 800-Meter-Läuferin Maria Mutola (Mosambik) im Jahr 2003 die zweite Athletin, die das Leichtathletik-Rekordpreisgeld allein kassieren konnte.

Die Weltmeisterin von 2001 und 2003 hielt sich damit vor 60.820 Zuschauern schadlos für den entgangenen Titel-Hattrick in Helsinki. Sie hatte sich vorher in Oslo an der Achillessehne verletzt und trat auf ärztliches Anraten zum Finale nicht mehr an. Diesmal machte es Lebedewa ganz spannend: Mit der goldenen Startnummer 1.000.000 flog sie zwar im zweiten Versuch auf 14,85 m, musste dann aber noch einmal zittern. Die Sudanesin Yamilé Aldama kam noch bis auf drei Zentimeter an die «Millionen-Weite» heran. Doch es reichte. «Das ist ein großer Moment, ich bin sehr glücklich», jubelte die Springer-Königin.

Mit Lebedewa haben seit 1998 bei acht Auflagen 19 verschiedene Athleten am Jackpot partizipiert. Die Russin will nun 100.000 Dollar für Kindergärten und Schulen in ihrer Heimatstadt Wolgograd spenden und 2006 den Weltrekord attackieren: «Das wollte ich schon dieses Jahr tun, doch da kam die Verletzung dazwischen.»

Für den finalen Höhepunkt und den einzigen deutschen Sieg im Olympiastadion sorgte Stabhochspringer Tim Lobinger. Der zweimalige WM-Fünfte vom ASV Köln segelte über 5,93 Meter - dann feierte er ausgelassen den Triumph und die drittbeste Leistung im WM-Jahr. Zweiter wurde Ex-Weltmeister Guiseppe Gibilisco aus Italien (5,83 m) vor Björn Otto (Uerdingen/Dormagen/5,73 m). Lobinger stellte danach wieder einmal sein Show-Talent unter Beweis: Als er zwei Mal deutlich an der deutschen Rekordhöhe von 6,01 Meter gescheitert war, ließ er überraschend 6,16 Meter auflegen - Weltrekord. Die Fans freuten sich auf den nächsten Höhepunkt, doch der Star flog unter der Latte durch.

Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch aus Neubrandenburg verlor mit 63,38 Metern die WM-Revanche gegen die WM-Zweite Natalja Sadowa (Russland/64,20). «Das war ein toller Wettkampf vor einem fantastischen Publikum. Natürlich bin ich jetzt die Gejagte, aber ich habe auch kein Problem damit, mal Zweite zu werden», sagte die Weltmeisterin, die eine bejubelte Ehrenrunde absolvieren musste. Als einzige deutsche Weltmeisterin hatte sie in den zurückliegenden Woche ungewöhnlich viele Medientermine zu bewältigen. «Ich freue mich, dass ich nach dem Wettkampf in einer Woche in Monte Carlo das Handy abstellen kann.»

Hürdensprinter Thomas Blaschek (Leipzig) musste sich in guten 13,33 Sekunden nur dem Amerikaner Dominique Arnold (13,20) geschlagen geben. Speerwerfer Mark Frank (Rostock) kam als Vierter auf die deutsche Jahresbestweite von 84,88 m. Den Sieg sicherte sich der Finne Tero Pitkämäki (89,32 m), der bei seinem WM-Heimspiel in Helsinki leer ausgegangen war.

Ralf Bartels (Neubrandenburg) belegte wie in Helsinki Rang drei. Nachdem der Neubrandenburger mit 20,93 Meter bis zum letzten Durchgang hinter Resse Hoffa (USA/21,06) auf dem zweiten Platz gelegen hatte, wurden beide von dem sich ständig steigernden Olympia-Dritten Joachim Olsson (Dänemark/21,10) abgefangen. «Nach so einer Saison ist es schwierig, sich zu motivieren. Aber bei dieser Stimmung ist das ein Selbstläufer», meinte Bartels. Dritte wurde auch die WM-Vierte Kirsten Bolm (Mannheim) im Hürdensprint in 12,81 Sekunden.

Für den WM-Siebten Tobias Unger (Kornwestheim), der wegen einer Achillessehnenreizung nicht richtig trainieren konnte, blieb im 200-Meter-Rennen Rang vier in 20,71 Sekunden. Kenia-Läufer Daniel Kipchirchir Komen erzielte über 1500 Meter in 3:29,72 Minuten die zweitschnellste Zeit des Jahres und verpasste den Stadionrekord von Said Aouita (Marokko/3:29,46) nur knapp. Der für die USA startende Kenia-Läufer Berhard Lagat steigerte sich bei seinem Ausflug auf die 5000 Meter um 15 Sekunden auf 12:59,29 Minuten.

Schnellster Sprinter war Dwight Thomas (Jamaika) in 10,01 Sekunden. Zu einem bewegenden Moment wurde zum Ende der Veranstaltung die feierliche Verabschiedung der dreifachen Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss aus Neubrandenburg. Die 35-jährige Olympiasiegerin von 1996 in Atlanta hatte am Vortag im Olympischen Dorf von 1936 mit 18,39 Meter und Rang vier (Siegerin Nadine Kleinert/Magdeburg mit 19,19 Meter) ihre einmalige Karriere beendet und wurde im Olympiastadion noch einmal begeistert gefeiert. (Von Peter Juny und Frank Thomas, dpa)

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