Istaf : Typen gesucht

Trotz beachtlicher Leistungen leidet das Istaf unverändert daran, dass es zu wenige zugkräftige Namen hat. Der Meeting-Direktor beklagt, dass zu wenige deutsche Weltklasseathleten antreten.

Frank Bachner
Istaf
Alles läuft vor sich hin. Im Olympiastadion fehlten auch in diesem Jahr viele Weltklasseathleten. -Foto: ddp

Berlin - Pamela Jelimo steht da in ihrem schwarzen Hosenanzug, sie blickt streng und sehr konzentriert, und dann sagt sie sehr betont, dass sie mit ihrer Siegprämie die Gebühren für ihre College-Ausbildung in Kenia bezahlen wird. Sie ist jetzt 18 und seit Sonntag Junioren-Weltrekordlerin über 800 Meter. 1:54,99 Minuten lief sie beim Istaf, eine exzellente Zeit für eine 18-Jährige, die gerade mal ihr fünftes Rennen über 800 Meter absolviert hatte. Pamela Jelimo bietet eine dieser schönen Geschichten in der Leichtathletik: kam als 16-Jährige in der Schule zur Leichtathletik, begann als Sprinterin, kam dann über die 400 Meter zu den 800 Metern. Das alles erzählt sie am Tag danach, am Tag nach dem Istaf, am Tag, nachdem 60 000 Menschen ihr Rennen im Olympiastadion gesehen haben.

Der Punkt ist nur, dass ihre Geschichte Gerhard Janetzky nur wenig bringt. Janetzky ist der Meeting-Direktor des größten Leichtathletik-Sportfestes in Deutschland, und er muss seine Veranstaltung vermarkten. Am liebsten hätte er dazu deutsche Weltklasseathleten, die auch noch kantige Typen sind. Die hat er aber kaum. Eine kenianische Läuferin, eine aus dem riesigen Feld der afrikanischen Stars, nützt ihm wenig.

Janetzky hatte ein interessantes Feld, keine Frage. Er hatte Olympiasieger und Weltmeister, er hatte mit Irving Saladino einen Weitspringer, der vom Weltrekord redete, aber er hatte kein alles überragendes Highlight. Ein starkes 100-Meter-Feld wäre ein Highlight gewesen, aber dafür hat er kein Geld.

Dass Saladino nur 7,92 Meter sprang, dass sich Speerwurf-Weltmeister Tero Pitkämäki früh verletzte, dafür kann Janetzky nichts. Dafür hatte er den Streit unter den Diskuswerfern und Danny Ecker, dessen Stabhochsprung-Stab brach, das brachte schöne Artikel und spektakuläre Bilder. Das hat zwar nichts mit Sport zu tun, hilft aber, das Meeting medial zu verkaufen.

Die Frage ist nur, ob das fürs Überleben reicht. Das Istaf als Golden- League-Meeting ist bis 2009 gesichert, danach wird neu verhandelt mit dem Weltverband IAAF. 2007 hatte Janetzky „eine schwarze Null geschrieben“. Letztlich spielt das Fernsehen eine große Rolle. Gute Quoten bedeuten gute Verhandlungen mit Sponsoren. Zufriedenstellend ist eine Quote, wenn sie zumindest zweistellig ist. 2007 war sie das nicht, auch am Sonntag lag die Quote zwischen 8,8 und 10,1 Prozent. Das ist unter beziehungsweise ganz knapp an der Grenze, schließlich war bestes Ausflugswetter, aber letztlich zählen die Zahlen. Zudem ist der Sonntag sowieso schon ein Entgegenkommen der IAAF. Denn nur so übertragen ARD und ZDF live. Die anderen Golden-League-Meetings finden am Freitagabend statt. Da laufen in ARD und ZDF Krimis und Spielfilme.

Aber Janetzky braucht Planungssicherheit, im Herbst 2009 muss er wissen, ob die IAAF weiter mit Berlin plant. Schließlich muss er ja auch Gespräche mit Sponsoren führen. Die Geldgeber, die 75 Prozent des Budgets von rund 2,5 Millionen Euro abdecken, haben zwar Verträge bis 2009, aber danach ist alles offen.

Manchmal aber spielen einfach auch die Athleten nicht mit bei der Selbstdarstellung des Istaf. Jeremy Wariner, der Olympiasieger über 400 Meter, verlor unerwartet. Das war eine Sensation, man hätte gerne erfahren, was er dazu sagt. Die Fernsehleute standen bereit. Aber Wariner lief wortlos an ihnen vorbei.

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