Sport : Italien, Fußballgötter!

-

Wolfram Eilenberger über das kommende Scheitern von Real Madrid

Nächsten Mittwoch ist es vorbei! Keine überkandidelten Lobeshymnen mehr, keine euphorischen Sprachschöpfungen à la „fantastischfantastisch“, keine sachfremden Schwärmereien von einer „Mannschaft des Jahrhunderts“. Madrid wird in der Champions League gegen Turin ausscheiden; zum Wohle europäischer Fußballkultur.

Denn obwohl wir manch’ zauberhaften Moment des Madrider Spiels dankbar im Herzen bewahren, bleibt doch eines in aller Deutlichkeit festzuhalten: Als Mannschaft hat Real Madrid dem Fußball nichts zu bieten! Im Gegenteil, spielsystematisch gesehen verkörpert das geniezentrierte und phasenweise beschämend selbstverliebte Auftreten der Königlichen einen bedauerlichen Rückschritt. Bedenkt man das interessenlose Wohlgefallen, das die Madrider ihrem eigenen, ans Absurde grenzenden Abwehrverhalten entgegenbringen, so steht das teuer erkaufte Phänomen „Real“ gar für einen drohenden Verfall der fußballerischen Kultur. Die beschämende Ahnungslosigkeit jedenfalls, mit der Torwart Casillas seine Mauer stellt oder Roberto Carlos auf Abseits spekuliert, lässt sich durch kein noch so geniales Pässchen rechtfertigen. Die Fußballvernunft muss sich hier angewidert abwenden. Denn es ist nicht zuletzt ein solch unbekümmert arroganter Zugang, der das Spiel verdirbt.

Voll Dankbarkeit blickt der fußballbegeisterte Purist deshalb ins Zentrum des ästhetischen Widerstandes – nach Turin. Mit einem schmerzhaft und klug ermauerten 1:0 wird Juventus den Madridern in der kommenden Woche nach dem 1:2 ihr würdevolles und königlich kühl kontrolliertes Ende bereiten.

Dank dir schon jetzt, Italien, Wiege auch unserer Fußballkultur!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben