Sport : Italien segelt vor

Wie Luna Rossa beim America’s Cup überrascht

Ingo Petz

Valencia - Francesco de Angelis ist ein besonnener Mann. Selbst nach dem vierten Triumph seines America’s-Cup- Teams Luna Rossa gegen BMW Oracle demonstrierte der schlanke Hüne Realismus, was ein wenig komisch wirkte. Denn seine Crew, allen voran der junge Steuermann James Spithill, sprüht in der Halbfinal-Serie des Louis Vuitton Cup vor Elan. Sogar Italiens Zeitungen, die bis dato skeptisch gegenüber der Kampagne des Prada- Zaren Patrizio Bertelli waren, sind voll des Jubels ob der überraschend souveränen Leistung gegen den Favoriten aus den USA. „Es wird hart bleiben“, entgegnete de Angelis kühl auf die Frage, ob er Luna Rossa schon im Finale sehe. Selbst eine 4:1-Führung nach dem gestrigen Erfolg könne schließlich vom prominenten Gegner in der Best-of-nine-Serie in ein 5:4 gedreht werden. Dennoch stehen die Italiener kurz vor dem Finaleinzug. Ebenso wie das Team aus Neuseeland, das gegen die Spanier mit 4:1 führt.

2000 stand der heute 46-jährige de Angelis selbst am Steuer. In einer dramatischen Finalserie lagen die Italiener 3:4 gegen America One zurück, als er die beiden entscheidenden Siege holte und so bei der ersten Teilnahme Luna Rossas ins America’s-Cup-Finale einzog. Damals stieg de Angelis zum Helden in seiner Heimat auf. Nun könnte sich das Wunder wiederholen, obwohl kein Experte erwartet hatte, dass die Italiener gegen das Mega-Team von Software-Milliardär Larry Ellison so souverän segeln würden. Doch BMW Oracle findet kein Mittel gegen Spithills forsche Vorstart-Künste.

Unterstützt wird der 27-jährige Australier von einer starken Afterguard um den Taktiker Torben Grael aus Brasilien. Der Doppel-Olympiasieger hat ein nahezu überirdisches Geschick, die richtigen Winddreher zu finden. Selbst die oft gerühmte Bootsgeschwindigkeit nützt dem High-Tech-Renner USA 98 von BMW Oracle derzeit wenig. Cup-Aufsteiger Spithill hat gelernt, sich besser als früher zu zügeln. Er sagt: „Ich weiß jetzt, wann ich meine Aggressivität am besten einsetzen kann und wann ich sie zurückhalten muss.“ Das ist wohl die schlechteste Nachricht für BMW Oracle.

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