Sport : Italienische Misere

Im Spitzenspiel trennen sich Juventus und Milan 0:0

Vincenzo Delle Donne[Turin]

Es war das Spitzenspiel, Tabellenerster gegen den Tabellenzweiten. Aber im Grunde war es nur eine Vorführung, wie schlecht es um den italienischen Fußball zurzeit steht. Die Begegnung zwischen Juventus Turin und dem AC Mailand in der Serie A endete am Samstagabend mit einem glanzlosen 0:0. Es war das Resultat des Catenaccio, dem unansehnlichen Abwehrriegel italienischer Prägung. Ein torreiches und spektakuläres Spiel hätte die Tifosi zumindest ein wenig über die Misere hinweggetröstet. Doch daraus wurde nichts, und anstatt Selbstkritik zu üben, redeten beide Kontrahenten nach dem Spiel das Ergebnis schön. Allein die Kulisse auf den Rängen des Stadio delle Alpi war eines großen Spektakels würdig. Die Arena war nach langer Zeit endlich wieder einmal ausverkauft.

Zuletzt hatte der italienische Rekordmeister Juventus regelmäßig vor halbleeren Rängen gespielt und war in dieser Hinsicht beileibe nicht der einzige Verein. Der Zuschauerschnitt in der Serie A ist stark gesunken, die Fans machen die hohen Eintrittspreise dafür verantwortlich. Auch Funktionäre tragen ihren Teil zur Krise bei. Die erneute Wahl von Milan-Vizepräsident Adriano Galliani zum Vorsitzenden des Ligaausschusses wurde von Diego Della Valle, dem Präsidenten des AC Florenz, vorläufig verhindert. Und auch die Wiederwahl von Fußballverbandspräsident Franco Carraro wurde inzwischen auf Mitte Februar verschoben.

Alles in allem bietet der italienische Fußball zurzeit also ein jämmerliches Bild, und da bildete das Spitzenspiel keine Ausnahme. Die Zuschauer sahen einen einzigen Höhepunkt: Andrej Schewtschenkos Pfostentreffer in der 17. Minute. Der 28-jährige Ukrainer in Diensten des AC Milan, der am vergangenen Wochenende als bester Fußballer Europas ausgezeichnet worden war, zeigte immerhin das Bemühen, ein Tor erzielen zu wollen. „Wir haben alles gegeben, aber am Ende stand nur die Null“, sagte Schewtschenko. Er und seine Mailänder Kollegen geben gleichwohl den Kampf um den Titel nicht auf, auch wenn die Turiner derzeit die Tabelle mit vier Punkten anführen. Die anderen Mannschaften sind hoffnungslos abgeschlagen.

Auch die Vorgänge nach dem Spiel trugen nicht eben dazu bei, das Vertrauen in den italienischen Fußball zu fördern. Turins Trainer Fabio Capello verließ am Samstag aus Protest die Fußballsendung der „Mediaset“-Sender. Deren Journalisten waren nämlich der Ansicht, Juventus sei wieder einmal vom Schiedsrichter begünstigt worden. Nach einem Foul am Mailänder Stürmer Hernan Crespo hätte der Schiedsrichter den fälligen Elfmeter verweigert. Für die Fernsehkommentatoren war das ein Beleg dafür, dass Juventus mit Hilfe zweifelhafter Entscheidungen zum Meistertitel geführt werden soll. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Eigentümer von „Mediaset“ Silvio Berlusconi heißt, und der ist nebenbei nicht nur Italiens Ministerpräsident, sondern auch noch Präsident des AC Mailand.

Capello gab sich später dennoch an anderer Stelle zufrieden mit dem Ausgang des Spiels: „Ich habe meinen Spielern gesagt, dass es ein Glück war, 0:0 gegen Milan zu spielen angesichts der vielen Fehler, die sie gemacht haben.“ Ein Tor wäre trotzdem schön gewesen.

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