Italienischer Fußball : Inter im Visier der Justiz

Die italienische Justiz weitet ihren Feldzug gegen die Bilanzfälschung bei Fußballclubs weiter aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen Inter Mailand und seinen Club-Präsidenten Moratti.

Mailand - Gegen den Lokalrivalen AC Mailand und dessen Vize-Präsidenten Adriano Galliani laufen ebenfalls Ermittlungen, berichtete der "Corriere della Sera". Wie angeblich viele andere Clubs sollen auch die Mailänder Vereine vor der Saison 2004/2005 ihre Bilanzen frisiert haben, um die Lizenz für die neue Spielzeit zu bekommen.

Inter erklärte, die Anschuldigungen von Staatsanwalt Carlo Nocerino durch finanztechnische Informationen entkräften zu können. Milan hatte die bereits vor einiger Zeit erhobenen Vorwürfe wiederholt als gegenstandslos zurückgewiesen.

Neuer Tatbestand: "Bilanz-Doping"

Ausgangspunkt für die Mailänder Ermittlungen ist eine groß angelegte Untersuchung der Staatsanwaltschaft in Rom. Diese beschäftigt sich seit Jahren mit angeblich gefälschten Bilanzen bei den großen Fußballclubs. Diese sollen vor allem durch die Ansetzung völlig überhöhter Spielerwerte ihr Club-Vermögen künstlich gesteigert haben. Die Staatsanwälte sprechen von einer Art "Bilanz-Doping".

Dank der überhöhten Vermögenswerte konnten die Clubs ihre Bilanzen trotz enormer Ausgaben ausgeglichen darstellen. Ohne diese unzulässigen Korrekturen wären die Bilanzen hoch negativ ausgefallen und den Clubs die Lizenzen verweigert worden. Finanzengpässe wurden dann von den reichen Club-Präsidenten aus eigener Tasche überbrückt.

Die Staatsanwaltschaft in Rom hat bereits Anklage gegen AS-Rom-Präsident Franco Sensi sowie gegen den ehemaligen Lazio-Rom-Präsidenten Sergio Cragnotti erhoben. Im Dezember 2006 eröffnete die Staatsanwaltschaft Genua Ermittlungsverfahren gegen zehn Club-Funktionäre, darunter gegen die Präsidenten von Sampdoria und des FC Genua. Die Turiner Justiz überprüft zudem 41 Spielertransfers von Juventus Turin in der Amtszeit der im Liga-Skandal gestürzten Juve-Führungsduos Luciano Moggi und Antonio Giraudo. (Von Bernhard Krieger, dpa)

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