Italienischer Fußball : Inter Mailand vorzeitig Meister

Vom "ewigen Zweiten" zum "Express-Meister" mit Rekordpunktzahl: Mit einem 2:1-Auswärtssieg beim AC Siena hat sich Inter Mailand bereits fünf Spieltage vor Ende der Serie A seinen 15. Meistertitel gesichert.

Mailand - Mit seinen zwei Toren in der 18. und 60. Spielminute war Marco Materazzi der Held des Tages. Verfolger AS Rom (68 Punkte) verlor bei Atalanta Bergamo mit 1:2 und kann den Titelverteidiger (84 Punkte) nicht mehr einholen.

Damit verwandelte Inter seinen zweiten "Matchball", nachdem es die vorzeitige Entscheidung am vorletzten Spieltag mit der 1:3-Heimniederlage gegen die Römer noch vergeben hatte. "Dies ist ein überwältigendes Gefühl", sagte Inter-Trainer Roberto Mancini und bedankte sich bei seiner Mannschaft: "Ihr habt einen großartigen Charakter bewiesen."

Matchwinner Materazzi

Bis zum befreienden Meisterjubel bescherte Inter seinen Fans am 33. Spieltag jedoch ein Wechselbad der Gefühle: Die frühe Führung durch Materazzi glich Sienas Paolo Negro drei Minuten später schon wieder aus. In der 60. Minute erlöste dann wieder der durch Zinedine Zidanes Kopfstoß im Weltmeisterschaftsfinale von Berlin berühmt gewordene Materazzi die Inter Fans: Nach einem Torwartfoul von Alexander Manninger an Inter-Stürmer Julio Ricardo Cruz behielt der Inter-Verteidiger die Nerven, als der Schiedsrichter ihn den fälligen Elfmeter zwei Mal ausführen ließ.

Materazzi traf und löste damit im rund 400 Kilometer entfernten Mailand Jubelstürme aus. Tausende "Interisti" stürmten mit wehenden Fahnen den Mailänder Domplatz und bejubelten ihr Team, das sich noch am Sonntagabend zu ersten Meisterfeier im San-Siro-Stadion angesagt hatte.

Inter verlor nur ein Spiel

Im vergangenen Jahr war Inter der Titel durch die Verurteilungen von Meister Juventus Turin und Vize-Meister AC Mailand im Liga-Skandal noch nachträglich am grünen Tisch zugesprochen worden. Diesmal hat sich das Team von Mancini den "Scudetto" mit überragenden Leistungen auf dem grünen Rasen selbst erkämpft. "Endlich haben wir diesen Titel", jubelte Kapitän Javier Zanetti. Hohn und Spott wegen den "geschenkten Titels" sind längst verstummt, Inter hat alle an die Wand gespielt und nur ein Spiel verloren.

"Ich bin stolz auf diese Mannschaft", meinte Club-Präsident Massimo Moratti. Dem väterlichen Inter-Boss gönnen sogar die Liga-Rivalen die große Genugtuung. Seit Jahren steckt der Öl-Magnat mit zum Teil dreistellige Millionensummen mehr als alle anderen in sein Star-Ensemble - und ging am Ende bisher stets leer aus. Der letzte auf dem Spielfeld erkämpfte Titel lag 18 Jahre zurück. 1989 führte Lothar Matthäus die Mailänder zur Meisterschaft.

Diesmal verdankt Inter den Triumph vor allem Trainer Mancini. Während seine Vorgänger regelmäßig nach kürzester Zeit an den Star-Allüren und Egoismen der Kicker-Millionäre scheiterten, formte der 43-Jährige aus den grandiosen Solisten ein verschworenes Team.

(Von Bernhard Krieger, dpa)

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