Sport : Ivan Klasnic

Wie Bremens Stürmer das Spiel in Berlin erlebt hat

Stefan Hermanns

Es sind zwei schmerzliche Minuten, die Ivan Klasnic nach knapp einer Viertelstunde im Berliner Olympiastadion erlebt. Erst wird der kroatische Stürmer von seinem Landsmann Niko Kovac über den Haufen gerannt. Schiedsrichter Hermann Albrecht lässt weiterspielen, obwohl sich am Seitenrand schon die medizinischen Hilfskräfte der Bremer aufgestellt haben. Aber Klasnic rappelt sich wieder auf. Kurz darauf schlägt Johan Micoud einen Freistoß in den Berliner Strafraum, Klasnic steigt zum Ball, Herthas Torhüter Christian Fiedler auch. Fiedler trifft Klasnic mit seinem Oberkörper an der Schläfe. Der Bremer bleibt auf dem Boden liegen, muss sogar neben dem Tor behandelt werden. Es gibt Freistoß. Für Hertha.

„Ich bin glücklich, dass ich es heil überstanden habe“, wird Klasnic nach dem Spiel sagen. Ganz so schlimm ist es natürlich auch nicht gewesen. Immerhin hat der kroatische Nationalspieler am Ende seines Arbeitstages öfter gefoult, als er selbst gefoult wurde. Für einen Stürmer ist das eine ungewöhnliche Bilanz.

Aber was heißt es schon, Stürmer zu sein in einem Spiel, in dem der gelbe Ball im Mittelfeld von Grün zu Blau hoppelt und wieder zurück? Ein einziges Mal kommt Klasnic im Strafraum der Berliner zum Schuss, doch sein Versuch wird bereits nach einem Meter von einem Berliner Verteidiger abgeblockt. Die Statistiker werten diese Aktion später als Torschuss, was Klasnic in seiner Mannschaft in dieser Kategorie die Spitzenposition einbringt: gemeinsam mit Ernst, Stalteri, Micoud, Borowski und Charisteas, die auch je einmal aufs Berliner Tor geschossen haben.

Vier Tage nach seinem erfolgreichen Auftritt gegen Anderlecht, bei dem er drei der fünf Bremer Tore erzielt hat, kommt Klasnic nie richtig rein ins Spiel. Ein Zusammenwirken mit seinem Sturmpartner Miroslav Klose findet de facto nicht statt, und gegen die langen Berliner Verteidiger Madlung und Simunic gewinnt Klasnic kein einziges Kopfballduell. Seine beste Aktion hat er nach knapp einer Stunde. Simunic will den Ball über die Torauslinie rollen lassen, Klasnic grätscht, erwischt den Ball noch und spitzelt ihn zu seinem Kollegen Klose. Dessen Flanke aber landet irgendwo im Nichts.

Nach 70 Minuten wird Klasnic ausgewechselt. Er hat bescheidene 21 Ballkontakte gehabt. Für ihn kommt Angelos Charisteas, der Europameister aus Griechenland. Zehn Minuten später steht es 1:0 für Werder. Das Tor hat Charisteas erzielt.

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