Ivica Olic : Es stürmt noch

Der 34 Jahre alte Ivica Olic schießt jetzt wichtige Tore für den VfL Wolfsburg. Auch mit 34 Jahren ist es für ihn noch möglich, dass sein im Sommer ablaufenden Vertrag verlängert wird.

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Ivica Olic ist beim VfL Wolfsburg in Form.
Ivica Olic ist beim VfL Wolfsburg in Form.Foto: afp

Der Stürmer a.D. Klaus Allofs ist jetzt 56 Jahre alt und ein bisschen runder um die Hüften geworden. Aber wie das Kerngeschäft des Stürmens auf dem Fußballplatz funktioniert, darüber kann er auch nach Jahren hinter den Schreibtischen im Management der Bundesliga aus dem Stegreif Grundsatzvorträge halten. Ein kurzer Auszug aus der spätsamstagnachmittäglichen Rede des Geschäftsführers vom VfL Wolfsburg: „Du musst eine Nase haben für die Situationen, in denen du der gegnerischen Abwehr wehtun kannst. Du musst die Fehler des Gegners voraussehen. Und du musst Tore schießen.“

Das mit dem Toreschießen ist ein elementarer Punkt und deswegen in der jüngeren Vergangenheit öfter angeführt worden, wenn es um die Eignung von Ivica Olic ging. Ivica Olic ist Stürmer, aber noch nicht a. D., auch wenn er mit seinen 34 Jahren bedenklich nah dran ist. Er hat nicht ganz so viele Tore geschossen in dieser jüngeren Vergangenheit. Penibel haben sie in Wolfsburg jede torlose Minute aufgelistet, es waren 594, bis er vor zwei Wochen endlich mal wieder getroffen hat. Olic durfte sich darüber nicht mal richtig freuen, denn es ging gegen seinen ehemaligen Verein Hertha BSC, und die Political Correctness des Profifußballs im dritten Jahrtausend verlangt nun mal, dass man sich über Tore gegen frühere Vereine nicht freuen darf. Innerlich hat Ivica Olic diesen Augenblick genossen wie wohl lange keinen mehr. Seit dem Tor gegen Hertha, einem eher schmucklosen Hineingrätschen in einen verunglückten Schuss des Kollegen Naldo, verlangt niemand mehr in Wolfsburg, dass aus dem Stürmer doch besser ein Stürmer a. D. werden solle. Ivica Olic ist wieder da und schießt Tore. Eines gegen Hertha, noch eines in Leverkusen und die bislang letzten beiden am Samstag, sie waren nicht so ganz unwichtig beim 2:1-Sieg über Hoffenheim.

Ivica Olic ist nicht gerade das, was man eine Plaudertasche nennt. Natürlich haben sie ihn bestürmt nach dem Sieg über Hoffenheim, natürlich wollten sie von ihm wissen, warum es denn jetzt läuft und warum es vorher nicht gelaufen ist. Olic hat gesagt, dass er müde sei und erst mal etwas trinken müsse. Das passt zu seinem Spiel. Es ist nicht von technischen Finessen geprägt, sondern mit viel Arbeit verbunden. Mit vielen Wegen, oft sind sie vergeblich, aber das sieht dann keiner da oben auf der Tribüne, denn wen interessiert es schon, wenn ein Stürmer einem Verteidiger hinterherhetzt, mit minimaler Chance an den Ball zu kommen. Olic macht diese Wege, fast immer sind sie aussichtslos, aber eben nur fast immer.

Am Samstag um kurz nach halb fünf ist er dem Hoffenheimer Verteidiger Jannik Vestergaard hinterhergehetzt. Der Däne Vestergaard zählt zu den besten Innenverteidigern der Bundesliga, er vereint physische Stärke mit brillanter Übersicht, aber in diesem einen Augenblick war er nicht ganz bei der Sache. Wohl auch, weil er nicht mit dem Mann in seinem Nacken rechnete. Olic aber hatte seine Chance erkannt, „das war ein perfekter Ball für mich“. Also lief er vorbei an Vestergaard, ließ den Ball noch einmal auftippen und chippte ihn über Hoffenheims Torhüter Koen Casteels. „Schönes Tor, so was mache ich ganz gern“, sprach Olic später und dass er sich so gut fühle wie lange nicht mehr, „ich habe super trainiert in den letzten Wochen und dem Trainer gesagt, dass er auf mich zählen kann.“

Dieter Hecking, der Wolfsburger Trainer, sagt, er habe sich schon ein bisschen gewundert über den Umgang mit Olic, denn „der hat schon so viele Spiele und Tore gemacht und so viel erlebt, aber mit Kritik sind wir in diesen Zeiten ja immer sehr schnell“.

Es kann in diesen Zeiten aber auch ganz schnell in die andere Richtung gehen. Also haben die Wolfsburger Reporter den Manager Klaus Allofs am Samstag bestürmt mit der Frage, ob denn der im Sommer auslaufende Vertrag mit Ivica Olic bald verlängert werde. Allofs hat kurz geschnaubt, ha!, „vor ein paar Wochen haben hier alle nach neuen Stürmern geschrien, und jetzt soll ich auf einmal mit dem alten verlängern“. Wird sich alles noch ein bisschen hinziehen. Ivica Olic sagt, „dass ich bis zum Winter ruhig bleiben werde, aber wenn ich so spiele wie heute und meine Tore mache, dann werden die Angebote kommen, ob nun hier oder woanders“. Aber eigentlich hat er der Familie versprochen, dass bald Schluss sein werde, auch und vor allem im Interesse der Kinder. Mit 34 findet er den Status als Stürmer a. D. gar nicht so unattraktiv. Klaus Allofs hat diesen Status mit 35 erreicht.

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