Sport : Ja, ich will

Mit einer Energieleistung führt Dirk Nowitzki die Basketballer von Dallas ins Viertelfinale der NBA

Matthias B. Krause

New York. Sie waren kurz davor, zum Gespött der Liga zu werden. Amerikas Basketballfans stellten sich bereits eine Quizfrage: Wie heißt die erste Mannschaft in der Geschichte der amerikanischen Profiligen, die nach einem 3:0-Vorsprung eine Play-off-Serie noch verloren hat? Antwort: die Dallas Mavericks. Den Witz gibt es seit Sonntagabend nicht mehr. Das Team hat die Blamage noch einmal vermieden. Nach dem 107:95-Erfolg in Spiel sieben der ersten Play-off-Runde der NBA gegen die Portland Trail Blazers trifft das Team um Dirk Nowitzki nun am Dienstag im Conference-Viertelfinale auf die Sacramento Kings.

Hinter Nowitzki liegen bittere Stunden. Der deutsche Flügelspieler zog sich nach der miserablen Vorstellung in Spiel sechs mit ärmlichen vier Punkten und null Rebounds in die Trainingshalle zurück. Unter Anleitung seines persönlichen Trainers, Mentors und Managers Holger Geschwindner suchte er nach dem Geheimnis der verloren gegangenen Wurfstärke. Sein Kollege Nick van Exel traute sich erst gar nicht erst aus dem Haus: „Es war einfach zu peinlich. Ich habe nur die Jalousien runtergelassen, die Tür abgeschlossen und gewartet, dass der Tag der Entscheidung endlich kommt.“

Die beiden Strategien zur Krisenbewältigung brachten den Erfolg. Nowitzki und van Exel waren mit 31 und 26 Punkten die erfolgreichsten Schützen im siebenten Spiel und trafen besonders im letzten Viertel praktisch aus nahezu allen Lagen. Fast 80 Prozent ihrer Wurfversuche in dieser Phase fanden ihr Ziel. „Es war wie in einem Film-Stunt“, sagte Mavericks Headcoach Don Nelson. „Wir haben die Dinge gemacht, die wir schon tausendmal vorher geübt haben und am besten können.“ Für die wundersame Wandlung seiner kraftlosen Angestellten musste sich Nelson jedoch zunächst ein paar Tricks ausdenken. Statt wie üblich auf Training und Videoanalyse zurückzugreifen, vertraute er dieses Mal ganz auf die Kraft der Worte. „Es ist alles eine Frage des Willens“, schrieb er etwa an die Tafel in der Umkleidekabine.

Ganz und gar auf die psychologische Komponente wollte sich Nelson aber nicht verlassen und schickte statt des langen Centers Shawn Bradley den Flügelspieler Eduardo Najera als Starter aufs Feld. Der Mexikaner ist zwar mit einer Körperlänge von 2,03 Metern ganze 18 Zentimeter kleiner als Portlands Hüne Arvidas Sabonis, doch seine ausdauernden, unverzagten Attacken gegen alles, was sich dem Mavericks-Korb näherte, zahlten sich schließlich aus. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende provozierte er Sabonis zu einem Offensivfoul, dessen sechsten persönlichen Foul insgesamt. Sabonis, der auch in seinem 38. Lebensjahr noch einer dominierenden Leute in der NBA ist, musste das Feld verlassen. Portland war entblößt.

Gegen die Sacramento Kings will Dallas nun alles besser machen. Sonst wäre die Feier genauso schnell zu Ende wie im vergangenen Jahr. Damals fegten die Kings die Mavericks im Conference-Halbfinale beinahe mühelos mit 4:1 Siegen vom Feld.

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