Sport : Jacek Krzynowek Wie der Leverkusener gegen Lautern spielte

Oliver Trust

Selbst einer wie er, der den AS Rom fast im Alleingang beim 3:1 in der Champions League an den Rand der Verzweiflung spielte, braucht manchmal eine Pause. Die nahm sich Jacek Krzynowek im Spiel von Bayer Leverkusen beim 1. FC Kaiserslautern. Heldenpause in der Pfalz – fast 90 Minuten lang. Eine einzige Chance, den Spieß umzudrehen und seinen Namen in die Schlagzeilen zu rücken, hatte er. Es war die 70. Minute, als die Flanke des Kollegen Woronin in den Strafraum segelte. Krzynowek stand völlig alleine da und köpfte. Torwart Wiese aber hielt. Krzynowek raufte sich die blonden Haare und trottete davon.

Es war nicht sein Spiel. Schwer auch wieder eine solche Vorstellung abzuliefern wie gegen Rom. Denn diesmal folgte ihm über die ganze Zeit dieser Mika Nurmela. Seines Zeichens finnischer Nationalspieler vom FCK mit dem Auftrag, sich nur um ihn zu kümmern. Die beiden neutralisierten sich weitgehend. Weil Krzynowek auf dem linken Flügel nicht besonders gut zurechtkam, verlagerte er sein Spiel mehr und mehr in die Mitte und versuchte, sich um Thomas Riedl zu kümmern. Fundamentale Manndeckeraufgaben statt glanzvoller Sturmläufe, das war die Bilanz des Polen in seinen roten Schuhen im Fritz-Walter-Stadion.

Er verlor gleich den ersten Zweikampf gegen Nurmela (3.), eroberte sich wenig später den Ball wieder zurück. In Minute 39, nach einem Doppelpass mit Berbatow, springt ihm der Ball zu weit vom Fuß. FCK-Torwart Wiese kann herauseilen und sich den Ball schnappen. Krzynowek ärgert sich. Zunehmend aber kündet seine Körpersprache von wachsender Frustration. Manchmal steht er, scheinbar von allen vergessen, weit links draußen an der Linie und wartet. Er kümmert sich wieder um Gegner Riedl im Mittelfeld und kehrt zurück nach außen. Er schwankt zwischen Resignation und dem Drang, doch noch etwas zu entscheiden. Minute 78: Er setzt zu einem Dribbelsolo an, bleibt aber nach zwei, drei umkurvten Konkurrenten hängen. Der Ball ist weg. Krzynowek ist wieder allein.

Der raue Bundesligaalltag hat ihn wieder. Den Mann, der gegen Rom fast wie ein Genie spielte und in Kaiserslautern dann eine Pause machte. Eine ohne große Fehler, aber auch eine ohne großes Feuerwerk.

0 Kommentare

Neuester Kommentar