Sport : Jack Nicklaus: Einmal Abschied, immer Abschied

Ulrich Kaiser

Der Amerikaner Jack Nicklaus befindet sich auf seiner Abschieds-Tournee. Zum letzten Mal stellt er sich auf dem ehrwürdigen "Old Course" im schottischen St. Andrews der Konkurrenz. Die 129. British Open, bei denen für Deutschland Bernhard Langer und Alexander Cejka spielen, sollen seine letzten sein. Der 60-jährige beste Golfspieler des 20. Jahrhunderts hat diese Meisterschaft in den zurückliegenden 35 Jahren drei Mal gewonnen. In St. Andrews hat er sogar angekündigt, dass er sich immer noch stark genug fühlen würde, ein weiteres Mal den Sieg zu erringen. "Sonst würde ich gar nicht mitspielen!" Diese Bemerkung hat bei der jüngeren Konkurrenz nur Heiterkeit ausgelöst. Eine große britische Buchmacherfirma bietet eine Wette an mit 5:1 für den Fall, dass Jack Nicklaus am Freitagabend den Cut nicht schafft, ihn mindestens um drei Schläge verpassen wird.

Die Sache mit den Abschiednehmern kann man nicht so einfach beiseite schieben. Einen Tag vor Beginn dieser "Open" kamen fast fünfzigtausend Zuschauer nach St. Andrews, um beispielsweise Sam Snead zu sehen, wie er vier Löcher spielt. Snead ist 88 Jahre alt und war der Sieger von 1946. Er berichtete dieser Tage, dass ihn die Reise aus den USA nach Schottland damals runde zweitausend Dollar kostete und das er nach seinem Sieg erfuhr, dass es 600 Dollar Preisgeld geben würde. Snead berichtete: "Dann haben sie mich hier gefragt, ob ich denn im nächsten Jahr wiederkommen werde, um meinen Titel zu verteidigen. Ich habe sie gefragt, ob sie denn noch bei Trost sind? Solche schlechten Geschäfte kann man nur machen, wenn das fehlende Geld durch große Ehre ausgeglichen wird. Das allerdings ist in St. Andrews der Fall!"

Snead vergaß zu erwähnen, dass er außerdem von jenem Sieg bis heute ganz gut lebt. Die riesige Zuschauerzahl - fast doppelt so hoch wie die Bevölkerung der gesamten Stadt - war nicht nur gekommen, um Jack Nicklaus oder Sam Snead zu sehen. Es zeigten sich auch Severiano Ballesteros, Lee Trevino, Gary Player, Peter Thomson, Nick Price, Tony Jacklin und der völlig untergegangene Ian Baker-Finch, der seinen Drive mit einem schrecklichen Anfänger-Slice rechts in die Zuschauermenge hieb. Alles in allem waren die Sieger von nahezu fünfzig British-Open-Turnieren vertreten.

Wie wichtig die reich und weltberühmt gewordenen Golfprofis solche Abschiedsveranstaltungen nehmen, ließ nun Arnold Palmer wissen. Der mittlerweile siebzigjährige Star, der noch heute mit der Werbung um seinen großen Namen in Amerika jährlich knapp fünfzehn Millionen Dollar einnimmt, hat die Britisch Open zweimal für sich entschiedn (1961, 1962) und hätte demnach auch das Recht, bis an sein Lebensende hier wenigsten proforma mitzuspielen. Aber man vergaß, ihn zu fragen, ob er kommen möchte, und Palmer gab daheim in den USA ein wütendes Interview an die Adresse des "Royal and Ancient Golf Club" in St.Andrews. Er sprach von einer großen Enttäuschung, von Respektlosigkeit und auch von Undankbarkeit, denn er sei es gewesen, der damals die Amerikaner darauf auf merksam machte, an dieser alten und traditionsreichen Meisterschaft teilzunehmen.

Gegen die Teilnehme an dem sentimentalen Treffen der Stars von gestern und vorgestern sprach für Arnold Palmer lediglich die Tatsache, dass er seinen Abschied bereits vor fünf Jahren in St.Andrews erhielt, als er 65 Jahre alt war. Damals hatten vierzigtausend Zuschauer ihm stehende Ovationen gespendet, als er das achtzehnte Fairway heraufkam und auf der Steinbrücke über das Swilken Burn-Bächlein zum letzten Male seine Mütze schwenkte. Die Gentlemen in St.Andrews haben das nicht vergessen und sind nicht der Meinung, dass man einen endgültigen Abschied wiederholen kann.

Das wird mit Sicherheit auch auf Jack Nicklaus zutreffen. Wenn er versuchen sollte, in einigen Jahren, wenn die British Open wieder in St.Andrews stattfinden, erneut eine Abschiedsvorstellung zu geben, wird man ihm zu verstehen geben, dass er seine Show im Millennium-Jahr 2000 hatte. Solche ungeschriebenen Gesetze gelten auch für denjenigen, der im vergangenen Jahrhundert der Beste war.

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