Sport : Jähes Ende einer Flucht

Kurz vor dem Ziel der fünften Etappe der Deutschland-Tour fangen Verfolger eine Ausreißergruppe um Jens Voigt ab – der Italiener Bennati siegt im Sprint

Hartmut Scherzer[Friedrichshafen]

500 Meter sind keine lange Distanz für einen Radprofi. Erst recht nicht auf einer Etappe, die über 210 Kilometer geht, wie das gestrige fünfte Teilstück der Deutschland-Tour von Sölden nach Friedrichshafen. Doch die letzten 500 Meter auf der Zielgeraden wurden für Jens Voigt sehr unerfreulich. Denn erst dort wurde eine Ausreißergruppe um Voigt vom Feld eingeholt – auf den finalen 500 Metern, nachdem der Berliner 180 Kilometer lang mit seinen fünf Mitfahrern teilweise mit deutlichem Vorsprung vor dem Hauptfeld gefahren war. Voigt musste schließlich mit ansehen, wie es vor ihm vor den begeisterten Zuschauern zu einer Spurtankunft kam: Dort siegte Daniele Bennati.

Der 24 Jahre alte Italiener vom Team Lampre feierte nach dem Erfolg in Kufstein seinen zweiten Etappensieg. Zeichen seiner überlegenen Schnelligkeit ist das Rote Trikot, das Pendant zum Grünen der Tour de France. Der Engländer Roger Hammond und der Australier Baden Cooke kamen auf die nächsten Plätze. In Abwesenheit eines Erik Zabel trägt ein gewisser Sebastian Siedler aus Gera die deutschen Sprinthoffnungen bei der Rundfahrt. Der 27-jährige Thüringer wurde Vierter. In Kufstein hatte er sich sogar auf den dritten Rang gespurtet. Dennoch staunt der Wiesenhof-Fahrer über die hohen Geschwindigkeiten auf den letzten vierzig Kilometern. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Siedler.

Bereits nach 32 Kilometern hatte sich Jens Voigt mit fünf weiteren Fahrern auf und davon gemacht. Der Arlberg, 1793 Meter hoch, aber nur vom Schwierigkeitsgrad der dritten Kategorie, war kein Hindernis. Mehr als fünf Minuten wurden als maximaler Vorsprung gemessen. Am Bodensee bestimmten dann aber zwei Mannschaften an der Spitze des Feldes das Tempo: Lampre und Wiesenhof. Das einzige Zweitliga-Team im Peloton will sich neuen Sponsoren empfehlen, denn der bisherige Geldgeber zieht sich zum Saisonende zurück.

Als nach knapp 195 Kilometern Fahrt durch Österreich bei Lindau die Grenze zu Deutschland überquert wurde, war der Vorsprung der Gruppe auf zwei Minuten zusammengeschmolzen. Das Sextett wehrte sich noch, anscheinend aber nicht genug für Moreni (Quick-Step). Denn der Italiener hatte noch genug Kraft, um Voigt und die anderen vier Profis 15 Kilometer vor dem Ziel abzuhängen. Wenige Kilometer vor dem Ziel war er allerdings wieder eingeholt, und die Ausreißer wehrten sich weiterhin gegen das herannahende Hauptfeld – vergeblich. Als Jens Voigt auf die Zielgerade einbog, wurden der Berliner und die fünf anderen Fahrer eingeholt.

„Das war natürlich ein bitterer Moment“, sagte Voigt später im Ziel. „Aber irgendwie hatte ich unseren Ausreißversuch auch schon mit Skepsis betrachtet. Ich wusste, dass es ganz knapp werden würde.“ Die Zusammenarbeit mit den anderen fünf Profis habe nicht so gut geklappt, weil einige Fahrer mehr im Interesse ihrer Teams als in ihrem eigenen gehandelt hätten, sagte Voigt. Ein wenig enttäuscht wirkte er dabei aber schon, schließlich war er dem Sieg gestern sehr nahe. „Vor zwei Monaten hätte ich das vielleicht auch noch geschafft“, sagte Voigt, „aber mein Tank ist jetzt langsam leer.“

Im Gesamtklassement änderte sich nichts. Die Favoriten hatten noch schwere Beine vom Sturm auf den Gletscher. Jan Ullrich gibt sich trotz der Niederlage am Vortag in Sölden zuversichtlich, den Rückstand von 56 Sekunden auf Levi Leipheimer aufzuholen. „Ich habe mir eine gute Ausgangssituation bewahrt. Wenn es mit mir gesundheitlich weiter aufwärts geht, kann ich bei der Feldberg-Etappe am Sonntag und beim Zeitfahren am Montag noch richtig angreifen.“

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