Sport : Jagdschein, Paragraf soundso

Don King, Sie wissen schon, der große Dicke mit der Starkstromfrisur, dieser Don King also ist eine Gestalt, die Fragen über Fragen provoziert: Wie viele Verbrechen hat er in seinem langen Leben als Boxpromotor begangen - und wie viele Menschen bestochen, um diese Verbrechen anschließend zu vertuschen? Und warum in aller Welt macht der Mann sich mit dieser Frisur lächerlich?

Die gängige Antwort auf diese letzte Frage war bislang: So kann niemand die Hörner des Teufels sehen. Diese Version galt bis vor ein paar Tagen, bis Don King in seiner Privatmaschine nach Las Vegas flog. Unterwegs kam es zu einigen Turbulenzen, in deren Folge King aus dem Sitz und mit dem Kopf gegen die Decke geschleudert wurde. Eine anschließende Computer-Tomographie förderte nicht etwa eine Gehirnerschütterung zutage, die ohnehin, sondern ... fünf Patronensplitter, Reste einer Schießerei aus dem Jahre 1959. Wem würden da nicht die Haare zu Berge stehen.

Die Geschichte mit den Patronen hat King selbst erzählt, und er soll dabei so laut und lange gelacht haben, dass die Zuhörer mal wieder an seinem Geisteszustand zweifelten. Wenn der nicht ganz auf der Höhe ist, nun, das könnte einiges erklären. Wer vom 27. Lebensjahr an mit fünf Splittern im Hinterkopf herumläuft, von dem wird man schwer erwarten können, dass er sich in normalen Bahnen entwickelt. Unzurechnungsfähig, Jagdschein, Paragraf soundso. Wenn das so ist, dann kann King für vieles nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Nicht für den angeblich in Notwehr erschossenen Einbrecher, den zu Tode getrampelten Laufburschen, die millionenschwere Steuerhinterziehung. Alles Delikte, für die King vor Gericht gezerrt wurde, völlig zu Unrecht, wie wir jetzt ahnen, von den geschätzt 30 Gefängnisaufenthalten ganz zu schweigen. Und natürlich hätte ein gesunder King den größten Boxkampf aller Zeiten zwischen Muhammad Ali und George Foreman 1974 nicht nach Zaire vergeben, nur weil der dort herrschende Massenmörder Mobutu die höchsten Gagen bot. Was hätte ein unversehrter Don King aus seinen Talenten machen können, eine Karriere als Steuerberater vielleicht oder als Staatsanwalt.

Vor einer Generalamnestie möchten wir nur noch eine winzige Ungereimtheit geklärt wissen: Wie ist der junge, unbescholtene Herr King damals eigentlich in diese Schießerei gekommen?

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