Jahreshauptversammlung : Kölner Chaostage

Vor der Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln reißen die Gerüchte um Präsident Overath nicht ab. Inzwischen bot auch der ehemalige Coach Christoph Daum seine Hilfe an.

Verstecken gilt nicht. Lukas Podolski und die Verantwortlichen des 1. FC Köln werden sich auf der Jahreshauptversammlung den aufgebrachten Mitgliedern stellen müssen.
Verstecken gilt nicht. Lukas Podolski und die Verantwortlichen des 1. FC Köln werden sich auf der Jahreshauptversammlung den...Foto: dapd

Köln - Mit der guten Laune ist es in Köln vorbei – zumindest wenn es um Fußball geht. Sechs Tage nach Karnevalsbeginn wird heute ab 19 Uhr auf der Mitgliederversammlung des tief in der Krise steckenden Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln mit viel Kritik für die Vereinsführung gerechnet. Zudem gibt es Gerüchte über einen Rücktritt von FC–Präsident Wolfgang Overath.

„Das sind alles Zeitungs-Spekulationen“, sagte Kölns Vereinssprecher Christopher Lymberopoulos. Ein Rücktritt Overaths sei „mit Sicherheit“ nicht zu erwarten. Der 67 Jahre alte Weltmeister von 1974 selbst schweigt seit dem desaströsen 0:4 am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach. Auf der Jahreshauptversammlung, zu der rund 2000 Mitglieder erwartet werden, droht neben Anfeindungen auch eine Verweigerung der Entlastung des Vorstandes. Ob Overath dann nach sechs Jahren wirklich zurücktritt, ist offen. Ein Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht. Zuletzt hatte der frühere Kölner Oberbürgermeister und Mitglied des FC-Verwaltungsrats, Fritz Schramma, abgewunken. „Aber wenn ein Kandidat kommt und sagt, dass er das Amt übernehmen will, dann soll er sich melden“, sagte Schramma dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Denkbar ist auch, dass Manager Michael Meier – ihm wird mehr noch als Overath der Niedergang des Vereins angelastet – gehen muss oder entmachtet wird. Die Bilanz seiner 2005 begonnenen Amtszeit in Köln spricht nicht für ihn: Die Verbindlichkeiten des Traditionsklubs belaufen sich auf 24,1 Millionen Euro. 47 Spieler hat Meier mitverpflichtet, von denen sich nur wenige als sportlich wertvoll herausstellten. Die Liste der Transferflops mit Namen wie Maniche oder Ishiaku ist dagegen lang. Zuletzt hatte Nationalspieler Lukas Podolski kritisiert, der Verein würde in Sachen Transferpolitik und sportliche Ausrichtung keine klare Linie erkennen lassen. In der Bundesliga gelangen den Kölnern in dieser Saison nur zwei Siege, zudem haben sie bisher die wenigsten Tore der Liga geschossen.

Manager Meier, der in Köln einen Vertrag bis 2013 besitzt, soll der Rücktritt bereits nahegelegt und eine Abfindung angeboten worden sein. „Das ist nicht der Fall“, sagte Meier. Auch von Plänen, ihm einen Sportdirektor an die Seite zu stellen, weiß er nichts: „Darüber hat mit mir keiner gesprochen.“ In die Mitgliederversammlung gehe er ohne Angst. „Mitglieder sind auch Partner“, sagte er. „Wir gehen mit dementsprechenden Argumenten dahin, wenngleich Tabellenplatz 18 keine gute Vorlage für eine gute Stimmung ist.“ Personelle Klarheit herrscht in Köln vorerst über Cheftrainer Frank Schaefer. Er soll auch nach dem Bundesligaspiel am Sonntag beim VfB Stuttgart noch im Amt bleiben. Inzwischen bot auch der ehemalige Coach Christoph Daum seine Hilfe an. „Im Rahmen meiner Möglichkeiten würde ich dem FC auch in dieser schweren Phase selbstverständlich helfen“, sagte der 57-Jährige, der im Sommer 2009 ohne Vorankündigung zu Fenerbahce Istanbul wechselte, dem Kölner „Express“.

Zugleich machte sich Daum für Overath als Präsidenten stark: „Wolfgang Overath ist als Persönlichkeit für mich unantastbar. Bei mir genießt er hohe Wertschätzung. Ich hoffe, dass die Mitglieder genauso denken.“ dpa

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