"Jahrhundertkampf" : Mayweather gegen Pacquiao: Spektakel oder Schandfleck?

Das Boxduell Floyd Mayweather gegen Manny Pacquiao ist vor allem finanziell ein Jahrhundertkampf. Hartmut Scherzer über den Hype und dessen Hintergründe.

Hartmut Scherzer
Volles Brimborium. Die beiden Damen auf dem Bild boxen nicht, sondern die Herren in der Mitte: Mayweather (l.) und Pacquiao.
Volles Brimborium. Die beiden Damen auf dem Bild boxen nicht, sondern die Herren in der Mitte: Mayweather (l.) und Pacquiao.Foto: Nelson, dpa

New York - „Money, Money, Money, it’s a rich man’s world.“ Der Abba-Hit von 1976 wäre der passende Einmarsch-Song für Floyd Mayweather Junior zum so genannten Jahrhundert-Boxkampf gegen Manny Pacquiao am Sonnabend in Las Vegas. „Ich bin der bestbezahlte Boxer aller Zeiten“, brüstet sich der „Moneymaker“. Wenigstens 150 Millionen US-Dollar, schätzt das Wirtschaftsmagazin „Forbes“, soll der Weltergewichts-Weltmeister für sein Duell mit Pacquiao erhalten. Für 36 Minuten Faustarbeit – falls das Spektakel der Superlative zwölf Runden dauert. Mit über 100 Millionen Dollar kann auch der Gegner von den Philippinen rechnen, der sich mit der Börsenaufteilung 40:60 zufrieden gab und so das Zustandekommen des Kampfes erst möglich machte.

Seit fünf Jahren hat die Boxwelt auf diesen Showdown der mehrfachen Champions in mehreren Gewichtsklassen und bei allen vier Verbänden gewartet. Sie sind die besten Boxer ihrer Generation und völlig gegensätzliche Charaktere: Mayweather, der Angeber, der in Strip-Klubs mit Hundert-Dollar-Bündeln protzt und prahlt: „Niemand kann mir weismachen, dass Muhammad Ali und Sugar Ray Robinson besser waren als ich.“ Pacquiao, der Menschenfreund, engagiert sich für Politik und die Armen in seiner Heimat.

Für manche Experten in den USA kommt der Mega-Fight fünf Jahre zu spät, weil beide über ihren Zenit hinaus seien. Der Verteidigungs-Virtuose Mayweather (38) siegte in allen seinen 47 Kämpfen, ist aber nicht mehr so schnell auf den Beinen. Der furchtlose, aggressive Pacquiao (36), ein draufgängerischer Rechtsausleger, verlor 2012 zwei Kämpfe nacheinander, den zweiten sogar durch K.o.

Der größte Zahltag der Box-Geschichte

Alle Rekorde stehen am größten Zahltag der Ring-Historie jetzt vor dem Aus. Die beiden kooperierenden US-amerikanischen Bezahlsender HBO (60 Millionen Abonnenten) und Showtime (28 Millionen Abos) erwarten rund drei Millionen Abrufe zum Preis von 75 und 100 (HD) Dollar. In Deutschland ist der Mega-Event am frühen Sonntagmorgen für 30 Euro beim Bezahlsender Sky zu sehen.

Nur 500 Eintrittskarten kamen vergangene Woche in den freien Verkauf. Die Preise liegen „irgendwo zwischen 1000 und 4000 Dollar“ (Forbes), unter der Hand werden auch fünfstellige Summen bezahlt. Alles zusammengerechnet liegen die Umsatz-Erwartungen zwischen 300 und 400 Millionen Dollar.

Legendäre Boxer, legendäre Kämpfe
Am 8. März 1971 standen sich im New Yorker Madison Square Garden erstmals in der Geschichte des Boxsports zwei ungeschlagene Schwergewichtsweltmeister gegenüber. Der Kampf wurde deshalb schon vorab als "Fight of the Century" bezeichnet. Tatsächlich erlebten die Zuschauer einen spektakuläres Duell, in dem Frazier Ali in der 15. Runde zu Boden schlug. Ali konnte sich zwar noch einmal aufrappeln, verlor letztlich aber deutlich nach Punkten.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: dpa
30.04.2015 17:50Am 8. März 1971 standen sich im New Yorker Madison Square Garden erstmals in der Geschichte des Boxsports zwei ungeschlagene...

Jahrhundertkampf ist das Etikett für ein Duell zweier Heroen und war in der Vergangenheit nur den Champions des Schwergewichts vorbehalten. Schon Gene Tunney und Jack Dempsey hatten sensationelle Zahltage, 1926 in Philadelphia vor 120 757 Zuschauern (Einnahme 1,89 Millionen Dollar) und 1927 in Chicago vor 104 943 Besuchern (Einnahme 2,65 Millionen). Der jeweilige Titelverteidiger kassierte den Löwenanteil an den Einnahmen, Dempsey 717 000, Tunney 990 445 Dollar. Die unbesiegten Muhammad Ali und Joe Frazier prägten 1971 in New York den ersten „Fight of the Century“ mit Rekordbörsen von 2,5 Millionen, Ali und George Foreman 1974 in Kinshasa den zweiten mit je fünf Millionen Dollar auf dem Konto.

Ein langweiliger Kampf wäre ein Fiasko

Peanuts im Vergleich zur Epoche des Pay Per View (PPV) seit der Premiere 1988 mit Mike Tyson gegen Michael Spinks. Doch irgendwann gingen den USA die Spitzenboxer im Schwergewicht aus. Die Klitschkos räumten auf – aber nur einmal im PPV: 2004 interessierten sich gerade einmal 120 000 Kaufkunden für die Titelverteidigung Witalis gegen Danny Williams. HBO und Showtime machten fortan mit Oscar de la Hoya, Mayweather und Pacquiao Kasse.

Die Dramatik des Kampfes hänge allein von Manny Pacquiao ab, behauptet de la Hoya, der gegen beide verlor, in einem Interview mit US Today. „Es gibt zwei Szenarien. Pacquiao macht Tempo, zwingt Floyd zum Kämpfen. Wenn Manny dafür in großartiger Form ist, wird es ein aufregender Kampf. Oder Mayweather kann ihn ausrechnen, die ganze Nacht ausboxen und einen leichten Sieg erringen.“

Ein Langweiler wäre ein Fiasko. Die „New York Post“ baute schon mal vor und überschrieb die Kolumne zum Kampf bereits mit der Schlagzeile und dem Wortspiel: „Blight of the Century“. Schandfleck des Jahrhunderts.

0 Kommentare

Neuester Kommentar