Jan Ullrich : Gefallener Held hofft auf ein Comeback

Ungeachtet seiner mutmaßlichen Verwicklung in die spanische Doping-Affäre um den Sportmediziner Eufemiano Fuentes darf der deutsche Radprofi Jan Ullrich offenbar weiterhin auf die Fortsetzung seiner Karriere hoffen.

Hamburg - Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, gibt es aufgrund eines Richterspruches in absehbarer Zeit keine Handhabe gegen die insgesamt 46 verdächtigten Fahrer. Der für den Fuentes-Fall zuständige Untersuchungsrichter in Madrid, Carmelo Jiménez, habe in einem Brief an den internationalen Radsportverband (UCI) untersagt, den Ermittlungsbericht der spanischen Guardia Civil zu verwenden.

Die Weisung gelte so lange, bis die strafrechtlichen Ermittlungen abgeschlossen seien, heißt es. Dies dürfte voraussichtlich aber noch mindestens ein Jahr dauern. Mangels Beweisen könnten damit bis Ende 2007 keine Sperren gegen die beschuldigten Rennfahrer verhängt werden.

Lizenz für die kommende Saison

Ullrich hat bereits mehrfach angekündigt, für die kommende Saison eine Lizenz zu beantragen. Damit steht einem Comeback kaum noch etwas im Weg - vorausgesetzt, der Tour-de-France-Sieger von 1997 findet nach seiner Entlassung bei T-Mobile ein neues Team. Allerdings haben sich alle Spitzenrennställe in einem so genannten Ethikcode verpflichtet, niemanden zu verpflichten, der in irgendeiner Weise unter Dopingverdacht steht.

Nach übereinstimmenden Informationen des "Spiegels" und der "Süddeutschen Zeitung" liegen den spanischen Dopingermittlern aber neue Indizien gegen Ullrich vor. Der 32-Jährige soll laut Guardia Civil bereits seit 2003 zu den Kunden Fuentes gehört haben. Die Fahnder glauben belegen zu können, dass Ullrich zuletzt jährlich 120.000 Euro für dessen Dienste gezahlt hatte.

Polizei beobachtete Übeltäter

Dies geht aus einem Protokoll eines Expertentreffens im September in der Madrider Direktion der Guardia Civil hervor, das beiden Blättern vorliegt. So sollen Fuentes-Helfer von der Polizei dabei beobachtet worden sein, wie sie in einem Madrider Hotel zwei Blutbeutel mit der Aufschrift "Jan" in einen Mülleimer warfen. Diese in eine Plastiktüte gewickelten Konserven seien sichergestellt worden.

Ullrich hat bislang stets seine Unschuld beteuert und gesagt, er kenne Fuentes gar nicht. Allerdings soll es Fotos geben, die den deutschen Sportstar zusammen mit dem Arzt zeigen. Zudem soll bei Fuentes ein Foto von Ullrich mit persönlicher Widmung gefunden worden sein.

DNA-Probe von Ullrich liegt vor

Nach Angaben der "SZ" liegt den Schweizer Behörden inzwischen auch eine DNA-Probe von Ullrich vor. Ihre Existenz war zwischenzeitlich bestritten worden, da Ullrich bei der Polizeirazzia Mitte September in seinem Schweizer Haus nicht anwesend war. Ullrich soll jedoch nach seiner Rückkehr aus den Flitterwochen bei der Schweizer Polizei eine richterlich angeordnete Speichelprobe abgegeben haben.

Der Radprofi hatte einen DNA-Test bislang abgelehnt und dafür sogar seine Suspendierung von der Tour de France in Kauf genommen. Mit dem genetischen Fingerabdruck ließe sich nun ein Abgleich mit den in der Praxis von Fuentes sichergestellten Blutkonserven herstellen, die laut Guardia Civil Ullrich zuzuordnen sind. (tso/ddp)

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