Sport : Jan Ullrich: Hauptsache Autogramme

Eine Menschentraube drängte zum Telekom-Bus wie Pilger zu einem Wallfahrtsort, Mützen und Fähnchen färbten die Strecke in Magenta: 190 000 Radsport-Fans bereiteten Jan Ullrich bei seinem ersten Deutschland-Start nach dem zweiten Platz bei der Tour de France einen triumphalen Empfang und feierten ihn im Paar-Zeitfahren in Karlsruhe wie einen Popstar.

"Die Strapazen sind noch nicht ganz verkraftet. Eigentlich könnte ich noch ein bisschen Ruhe vertragen", gestand Ullrich eine Woche nach der Tour, fügte dann aber schnell hinzu: "Natürlich fahre ich gerne in Deutschland." Dabei waren dem ausgezehrt wirkenden 27-Jährigen die Strapazen der vorangegangenen drei Tour-Wochen deutlich anzusehen. Auch auf dem zwölf Kilometer langen Innenstadt-Parcours war dem Olympiasieger von Sydney die fehlende Spritzigkeit anzumerken. Von der Siegerzeit des Prolog-Gewinners der Tour der France, Christophe Moreau, und seinem Partner Florent Brard waren Ullrich und Teamkollege Andreas Klöden mit einem Rückstand von 1:47 Minuten im Ziel deutlich entfernt.

"Loslegen wie die Feuerwehr und dann einfach nur drauftreten", das hatte Jan Ullrich den Zuschauern bei der Präsentation versprochen. Diese Taktik ging zunächst auch auf. Mit einer klaren Bestzeit schloß das Duo die erste von sechs Runden ab. Dass es am Ende wie im Vorjahr schließlich nur zu Platz fünf reichte, wollte Telekoms Sportlicher Leiter Rudi Pevenage nicht seinem Kapitän ankreiden. "Andreas Klöden hat sich am Anfang übernommen und ist im roten Bereich gefahren, da konnte ihm auch Jan Ullrich hinterher nicht mehr helfen", analysierte der Sportliche Leiter des Team Telekom.

Den Fans war es egal: Ein Autogramm von Jan Ullrich auf einem stolz getragenen Trikot zu ergattern, erschien sowieso wichtiger als das sportliche Resultat. Der 27-Jährige steht nach seinem großen Kampf in Frankreich gegen Lance Armstrong bei den deutschen Radsport-Anhängern nach wie vor hoch im Kurs. "Wenn ich dieses Jahr hier nicht gewinnen kann, muss ich halt nächstes Jahr wiederkommen", erklärte Ullrich schließlich unverzagt. Nach drei zweiten Plätzen in Folge könnte das auch als das Motto für einen anderen Wettbewerb gelten: die Tour de France 2002.

Am Tag nach dem Auftritt in Karlsruhe belegte Jan Ullrich beim Luk-Cup in Bühl den vierten Platz.

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